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Zum Tag der Arbeit: Wert echter Arbeit über kollabierendes Zinssystem stellen

Den Menschen wird rund um den Globus glücklicherweise immer bewusster, dass ein auf Spekulation beruhendes Wirtschaftssystem langfristig keinen Bestand haben kann. Denn Zins- und Zinseszinssystem tragen eine Programmierung für einen automatischen Zusammenbruch in sich. Die Entwicklung an den globalen Finanzmärkten führte uns in den letzten Jahren immer deutlicher vor Augen, dass wir in den finalen Showdown unseres heute bestehenden Systems eingetreten sind. Dieser Artikel ist aus diesem Grunde ein Appell an die Bewusstwerdung, dass echte Arbeit zukünftig wieder über das reine Spekulieren auf Zins- und Zinseszinseinkünfte gestellt werden muss.

Es gibt kein ungedecktes Währungs- beziehungsweise Zins- und Zinseszinssystem, das in der Geschichte überlebt hat – dieser Realität sollten wir uns endlich stellen

Natürlich gehen wir als Menschen immer den Weg des geringsten möglichen Widerstands, da wir von Grund auf recht langsam und gewöhnungsbedürftig sind. Gut an der im Jahr 2007 ausgebrochenen Finanzkrise ist sicherlich, dass immer mehr von uns ein neues Bewusstsein dafür entwickeln, dass es auf die alt hergebrachte Weise einfach nicht mehr weitergehen wird. Der in den letzten Jahren zu beobachtende Kampf der Politik und großer Wirtschaftsunternehmen um den Erhalt unseres bestehenden Finanzsystems diente vordergründig dem Erhalt der Privilegien der obersten zehn Prozent unserer Gesellschaft, von deren Mitgliedern heute bereits eine ganze Reihe schlichtweg bankrott wären, wenn die Steuerzahler nicht weltweit dazu gezwungen worden wären, ihnen einen Bailout zu liefern.

Selbstverständlich wären im Falle eines Bankenzusammenbruchs auch die Ersparnisse der Bürger untergegangen, von denen der Staat hingegen einen Teil hätte garantieren können, um Bankrottinstitute gleichzeitig geordnet abzuwickeln. Heute wird jedoch weltweit leider der Fehler begangen, unzählige Institute wie die HRE künstlich am Leben zu erhalten, anstatt sich um den dringenden Aufbau eines neuen Systems zu kümmern.

Bedingt werden unsere Probleme in erster Linie durch unser Zins- und Zinseszinssystem, das durch eine immer schwieriger werdende Aufschuldung mittel- bis langfristig nicht mehr aufrecht zu erhalten sein wird. Die Ereignisse in der Europäischen Union und der Eurozone geben hierauf einen ersten Vorgeschmack. Einst herrschte die Meinung vor, dass niemand mehr arbeiten gehen müsse, wenn man seine Ersparnisse oder Erbschaften zinsbringend anlegt, um zukünftig aus eben jenen Zinserträgen ein komfortables Leben führen zu können. Im Angesicht der Geschichte ist dies sicherlich einer der größten Trugschlüsse.

An den globalen Finanzmärkten wurde in diesem Zuge seit Ende der 1970iger Jahre ein riesiges Monster geschaffen, basierend auf widernatürlichen und immer komplexeren Finanzprodukten, zu denen vor allem Derivate jedweder Art zählen. Dieses Monster ist heute $600 Billionen bis $1 Trillionen schwer – exakte Angaben gibt es hierzu aufgrund der Intransparenz an den so genannten Over-the-Counter (OTC) Märkten nicht. Wichtig in diesem Kontext ist lediglich zu verstehen, dass dieser Betrag dem zehn- bis fünfzehnfachen Bruttosozialprodukt der gesamten Welt entspricht. Dass die fortschreitende Bailoutpolitik von Regierungen rund um den Globus nicht das Resultat zur Folge haben wird, den globalen Finanzsektor mittel- bis langfristig vor einem Kollaps zu bewahren, wird anhand einfachster Finanzarithmetik deutlich.

Die verfolgte Bailoutpolitik ist nichts anderes als Feigheit und Angst vor dem Eingeständnis, dass die Finanzmärkte vollkommen außer Kontrolle geraten sind und unweigerlich auf einen Kollaps zusteuern. Die meisten Regierungen haben hingegen nichts Besseres im Sinn, als sich dieser einfachsten Finanzarithmetik durch ein Herumdoktern an den Symptomen zu verschließen, weil die Alternative einer immer noch möglichen geordneten Abwicklung des bestehenden Systems einerseits den Interessen des Großkapitals widerspricht und andererseits mit großen wirtschaftlichen Schmerzen verbunden wäre.

Wichtig wird es in diesem Zusammenhang sein, dass die kleinen Leute und Sparer endlich verstehen, dass sie Teil dieses Systems sind und oftmals – trotz der Ereignisse in den vergangenen Jahren – immer noch auf dieses System vertrauen und selbst davon partizipieren wollen. Denn Herr Müller, Frau Meier und Herr Kunze verhalten sich systemkonform, wenn sie weiterhin zur Bank gehen, um ihre Ersparnisse zur höchstmöglichen Rendite anzulegen. Die erste Frage ist doch in den meisten Fällen die nach der Anlage, die den höchsten Zinsertrag pro Jahr erwirtschaftet. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Solange eine große Anzahl von Menschen nicht versteht, dass genau dieses Denken mit zum Untergang dieses auf Spekulation ausgerichteten Systems basiert, werden die Folgen umso dramatischer sein. In der Geschichte gab es kein ungedecktes Papierwährungs- und auf Spekulation basierendes Wirtschaftssystem, das nicht kollabiert wäre. Solange diese Tatsache nicht adressiert und mit Ignoranz begegnet wird, dürften die Konsequenzen ab einem gewissen Zeitpunkt verheerend sein.

Vielmehr sollte sich die Allgemeinheit wieder über den Wert echter Arbeit und der Herstellung echter Produkte bewusst werden. Glücklicherweise haben wir in Deutschland – entgegen den Vereinigten Staaten und Großbritannien – noch eine funktionierende Industrie, die in der jüngeren Geschichte jeweils Basis für das ökonomische Funktionieren unseres Landes gewesen ist. Daran darf sich auch in der Zukunft nichts ändern, denn wenn sich die Situation an den Finanzmärkten deutlicher zuspitzt, werden wir auch weiterhin Produkte herstellen können, um die uns die gesamte Welt beneidet. Zumindest haben wir eine Produktionsbasis, die einen großen Anteil zum Wiederaufbau nach potenziell erfolgtem Finanzkollaps beitragen dürfte.

Dessen sollten wir uns immer bewusst sein, um in der Zukunft endlich wieder ein System zu etablieren, dass nicht dem Zins- und Zinseszinsdienst und deren Hände reibenden Hintermännern frönt, sondern in dessen Fokus die Herstellung echter und werthaltiger Produkte steht, mit denen neue Firmengründungen und das nachhaltige Schaffen von Arbeitsplätzen verbunden sind. Am heutigen Tag der Arbeit sollten wir uns den Wert echter Arbeit ins Bewusstsein rufen, den wir vor allem dann erkennen werden, wenn Kapitalanlagen aufgrund eines kollabierenden Zins- und Zinseszinssystems – Stichwort Nullzinspolitik und sich fortsetzende Währungsabwertung durch die Notenbanken – uns nicht mehr den gewünschten Gewinneffekt verschaffen wie einst erhofft. Um dorthin zu gelangen brauchte es ganz sicher den Ausbruch der globalen Finanzkrise, die mit Sicherheit das Potenzial dazu aufweist, viele positive Erkenntnisse aus deren Entwicklung zu ziehen, wenn wir unsere Augen nicht mehr länger vor der Realität verschließen.