Das A-Team

Unglückliches Wiedersehen by Maddo
 

Zusammenfassung: Durch Zufall erfährt das A-Team, dass Amy in Schwierigkeiten  steckt. Die Jungs beschließen, ihr zu helfen. Dabei erleben sie einige Überraschungen.
Gast: A-Team, Amy, Frankie, Jonny Brecht, Gangster
 
 

Sie lief durch die Straßen. In ihren Augen konnte man deutlich ihre Angst erkennen. Das Tempo der Frau wurde gebremst, da sie einen Kinderwagen vor sich her schob. Das Baby war still, sah aber seine Mutter mit großen, fragenden Augen an.
Eine viertürige Limousine kam mit hohem Tempo die Straße entlang gefahren. Die Frau riss erschrocken die Augen auf und versuchte dem Wagen zu entkommen. Es war ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Fahrer überholte die Frau mit ihrem Kinderwagen, setzte hart über die Bordsteinkante und versperrte der ängstlichen Frau den Weg. Zwei Männer sprangen aus dem Fonds des Autos. Der eine hielt die Frau fest, während der andere in den Kinderwagen griff und das Baby herausholte.
Die Mutter schrie hysterisch und versuchte sich mit Händen und Füßen gegen die Entführer zu wehren. Jetzt begann das Kind ebenfalls zu schreien.
„Hören Sie, Mrs. Daniels, Sie werden Ihr Kind wieder sehen, wenn Sie die Artikelserie zurücknehmen und mit den Nachforschungen über Mr. Joyce aufhören. Und sagen Sie Ihrem Mann, er soll seine Kandidatur zum Bezirksstaatsanwalt zurückziehen... Wäre doch schade, wenn dem Kleinen was passieren würde ... Los, schnell weg hier!“
Nachdem die beiden Männer mit dem Baby eingestiegen waren, trat der Fahrer hart das Gas durch und sie verschwanden in der Nacht. Zurück ließen sie eine in Tränen aufgelöste, apathisch wirkende Mrs. Daniels

Frankie und Murdock hockten auf einer bequemen Couch in ihrem Domizil in Langley. Hannibal saß an einem Tisch. Vor ihm lag eine Automatic-Pistole in die Bestandteile zerlegt. Während der Colonel sorgsam den Abzugsbügel reinigte, ließ er seine Zigarre im Mundwinkel langsam vor sich hin qualmen. Ab und zu sog er leicht daran. Blaue Wolken kräuselten empor.
„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir frei sind“, sagte Frankie ungläubig.
„Ah, was heißt schon frei“, entgegnete Murdock. „Du bist nicht wieder in Hollywood und wir lassen uns nach wie vor unser Leben vorschreiben.“
„Warum verschwinden wir dann nicht einfach von hier?“ setzte Frankie wieder an. Er rutschte auf der Couch hin und her und setzte sich aufrecht hin. „Wir können hingehen, wo wir hin wollen.“
„Das können wir nicht“, verneinte Murdock energisch und gestikulierte wild mit seinen Armen.
„Aber, warum nicht?“ wollte Frankie ärgerlich werdend wissen.
„Hört auf, Jungs!“ mischte sich Hannibal in den entstandenen Streit ein. „Ich habe noch keine Begnadigungsurkunde gesehen ... Ihr etwa?“
 Der Colonel sah, wie Murdock und Santana den Kopf schüttelten. „Seht ihr! Der einzige, der sich frei bewegen kann, ist Murdock.“
„Ausgerechnet der Idiot“, zischte B. A. der aus der Küche kam und den letzten Teil der Unterhaltung mitbekam. In seiner Hand hielt er ein Glas Milch.
„Hör ja auf, B. A.“ schrie Murdock. „Du bist ja nur neidisch, jawohl neidisch.“ Der Pilot verschränkte die Arme und kauerte wie ein kleines Kind schmollend auf seinem Platz.
„Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir die Begnadigung in Händen halten. Außerdem haben wir solange noch Ruhe, bis die Nachricht von unserer wundersamen Wiederauferstehung in allen höheren Stellen angekommen ist.“
 Smith lächelte plötzlich. Ihm schien ein witziger Gedanke gekommen zu sein, den er seinen Freunden auch gleich mitteilte. „Deckers Gesicht möchte ich sehen, wenn er hört, dass wir wieder mal entkommen waren und er es jahrelang nicht wusste.“
In diesem Augenblick stürmte Face durch die Eingangshalle des Hauses. „Colonel, ich hab schlechte Neuigkeiten.“ Face hatte einen so betroffenen Ausdruck in den Augen wie selten. Er schien sogar paar Tränen weggewischt zu haben.
„Was ist los, Lieutenant?“ fragte Hannibal und legte eines der Pistolenteile weg. Tempelton zog eine zusammengefaltete Zeitung unter seinem Jackett hervor und warf sie wortlos dem Colonel auf den Tisch.
Hannibal klappte das Titelblatt auf und überflog die Seite. Dann sah er ruckartig hoch und starrte Face ähnlich entsetzt an, wie dieser selbst dreinschaute.
Frankie, Murdock und B. A. hatten ihre Streitigkeiten sofort vergessen. Sie waren von einer zur nächsten Sekunde bei der Sache.
„Sag, schon, Mann, was ist passiert?“ drängte B. A.
Daraufhin räusperte sich Hannibal und las den Artikel laut vor:

Gestern gegen 23.45 Uhr beobachtete ein Passant, wie zwei Männer aus einer dunklen Limousine stiegen und einer Frau das Baby vor ihren Augen aus dem Kinderwagen entführten. Der Passant wurde von den Entführern offenbar nicht gesehen. Dafür erkannte er die Frau. Unseren Recherchen zufolge handelt es sich um die bekannte Reporterin Amy Daniels.
Amy Daniels feierte große Erfolge mit ihren Auslandsreportagen, bevor sie wieder in die USA zurückkehrte und den jetzigen Anwärter auf das Amt des Bezirksstaatsanwaltes heiratete. Ihr gemeinsamer Sohn Jonny ist vermutlich das entführte Baby. Bisher waren weder Amy Daniels noch ihr Mann Steven zu einer Stellungnahme bereit. Beide befinden sich an einem unbekannten Ort.

Während Hannibal den Artikel vorlas, hatte sich das Team um den Colonel aufgebaut. Als sie das abgebildete Foto sahen, riefen alle bis auf Frankie im Chor: „AMY!“
„Wir müssen ihr helfen. Hannibal!“ sagte B. A. sichtlich besorgt.
„Ja, Colonel, sie ist eine von uns!“ fügte Murdock nicht minder erregt hinzu.
Hannibal nahm seine Zigarre aus dem Mund und starrte den Rauch an. Dann drehte er sich zu Frankie um. „Wir müssen ihr helfen. Aber es ist nicht deine Mission. Also, wenn du ...“
„Hey, Hannibal“, unterbrach Santana den A-Team-Chef. „Wir sind ein Team, und wir lassen kein Mitglied im Stich. Außerdem hab ich nur Gutes von euch über Amy gehört ...“
Hannibal grinste. Mit einer anderen Reaktion von Frankie hatte er auch nicht gerechnet. Zufrieden schob er seine Zigarre in den Mund und erhob sich.
„Als erstes mal müssen wir herausfinden, wo Amy wohnt. Sie scheint in Washington oder in unmittelbarer Umgebung zu sein.“
„Sie wird aber nicht im Telefonbuch stehen“, prophezeite Face, „immerhin ist Amy nun eine bekannte Reporterin und ihr Mann ...“ Tempelton unterbrach sich plötzlich und schüttelte den Kopf. „Amy verheiratet und Mutter. Hättet ihr das geglaubt?“
Murdock legte kumpelhaft seinen Arm um Face’s Schulter. „Sieh es ein, Faceman, du hattest nie eine Chance bei Amy.“
„Und wie finden wir nun heraus, wo Amy wohnt?“ fuhr B. A. dazwischen.
„Nun, Jungs“, erklärte Hannibal breit grinsend, „uns steht der gesamte Apparat der CIA zur Verfügung.“

Jonny Brecht war nicht begeistert, als er Hannibals Bitte vernahm. „Das ist vollkommen unmöglich, Colonel. Nicht nur, dass es sich um eine Privatangelegenheit handelt, aber noch ist Ihre Begnadigung nicht überall durch, bzw. die Unterlagen sind noch nicht ausgestellt. Das kann ich nicht erlauben.“
Hannibal hielt seine Zigarre in der Hand und tippte mit dem Mundende gegen die Brust von Mr. Brecht. „Hören Sie, Jonny, das war keine Bitte, sondern nur die höflich Variante“, zischte Smith kühl. „Amy gehört noch immer zum Team. Und wir lassen keinen Kameraden im Stich.“
„Colonel, bedenken Sie, Sie sind fast am Ziel. Diese Aktion kann alles verderben. Sie würden ohne Rückendeckung arbeiten.“
„Wir sind über 10 Jahre allein klargekommen. Also, was ist jetzt?“

Amy saß vor dem Fenster des geräumigen Wohnzimmers und starrte aus dem Fenster. Sie bemerkte weder den strahlenden Sonnenschein noch den angenehmen Geruch des Sommers. Der Blick ihrer Augen ging ins Leere. Tränen rannen die Wangen herunter, aber sie schluchzte oder weinte nicht. Amy war zu erschöpft.
Auch die Türklingel hörte sie nicht. Einige Augenblicke später öffnete sich die Tür des Wohnzimmers und eine Frau kam herein. „Entschuldigen Sie bitte, Mrs. Daniels. Hier ist ein Elektriker. Er sagt, er muss die Leitungen überprüfen. Es hat in der Gegend einige Stromschwankungen gegeben. Die Elektrizitätswerke befürchten, dass früher oder später ein Kurzschluss entstehen könnte, der einen Brand auslösen würde.“
Amy hob schweigend die Hand, was als Zustimmung galt. Da kam auch schon ein älterer Mann in leicht gebückter Haltung ins Wohnzimmer. „Was ist nun, Ma'am?“ knurrte der Elektriker mit heißerer Stimme. „Ich muss noch andere Häuser überprüfen.“
Die andere Frau, eine Mitarbeiterin von Amy's Mann, versperrte dem Elektriker den Weg. Dieser hatte graues gelocktes Haar und einen dichten Schnurrbart.
„Hören Sie, Mister, Sie können alle Zimmer untersuchen, aber nicht dieses. Mrs. Daniels geht es nicht gut.“
„Immer das selbe mit den Angestellten“, knurrte der alte Elektriker. „Ich muss jedes Zimmer untersuchen, oder wollen Sie für den Tot von Menschen verantwortlich sein? Hä, wollen Sie das, Miss?“ setzte der Mann die Angestellte hartnäckig unter Druck.
„Schon gut, Carla! Lassen Sie den Mann seine Arbeit machen!“ ertönte eine schwache Stimme aus dem inneren des Wohnzimmers.
„Da hören Sie es, Carla! Und nun gehen Sie! Ich brauch meine Ruhe beim Arbeiten.“
Nur widerwillig verließ Carla das Wohnzimmer. Der Elektriker schloss die Tür. Dann seufzte er erleichtert. Er zog aus dem Gürtel ein kleines Gerät und aktivierte es. Dann lief er im Zimmer hin und her. „Entschuldigen Sie, Mrs. Daniels, dass ich Sie belästige, aber mein Besuch ist wirklich wichtig ... Nein, nein, hier ist alles in Ordnung. Keinerlei Gefahr.“
Wie beiläufig fiel der Blick des Handwerkers auf die große Verandatür. „Mrs. Daniels, es ist so ein schöner Tag draußen. Soll ich die Tür etwas öffnen?“
„Nein, lassen Sie sie zu. Mir ist jetzt nicht nach frischer Luft zumute!“
„Frische Luft kann manchmal Wunder vollbringen.“
„Hören Sie nicht, Mister!“ begehrte Amy schwach auf. „Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“
„Wissen Sie Mrs. Daniels, vielleicht helfen Ihnen ein paar Zitate von Konfuzius:

Frauen mit Warzen sind schwer zu verarzten ...
Du bist eine Prinzessin in einem Reich voller Schlangen.“

Plötzlich zuckte Amy aus ihrer starren Haltung hoch und beugte sich über die Lehne, um den Mann besser zu sehen. Ungläubig sah sie den Elektriker an.

„Hallo, Kleines!“ sagte dieser und plötzlich vernahm Amy eine vertraute Stimme. Langsam stand sie auf und ging auf den Mann zu.
„Hannibal?“ fragte sie fassungslos und erstaunt zugleich.
Smith zog sich lächelnd den Schnurrbart von der Oberlippe, dann griff er mit der rechten Hand an die Perücke und nahm sie zusammen mit dem festgeklebten blauen Cape ab.
 Als Amy den Colonel vor sich stehen sah, wich sie unwillkürlich zurück, als wäre sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Immer noch fassungslos hielt sie beide Hände vor den Mund.
„Oh, mein Gott“, seufzte sie. „Das kann doch nicht sein. Ich dachte, ihr seid tot, oder sind die anderen ...?“
„Es hat nicht mehr viel gefehlt, Amy. Aber das ist jetzt nicht wichtig."
Die Reporterin warf alle Hemmungen von sich, rannte auf Hannibal zu und fiel ihm weinend in die Arme.
Smith klopfte ihr sanft auf den Rücken und flüsterte ihr einige tröstende Worte zu. „Es wird alles wieder gut. Wir werden dir helfen!“ Dann löste der Colonel behutsam die Umklammerung, ging zu der Verandatür und öffnete sie.
Im nächsten Augenblick schlüpften Face, Murdock, B. A. und Frankie durch die Tür. Als Amy ihre tot geglaubten Freunde wohlauf vor sich sah, konnte sie sich ihren Gefühlen nicht mehr erwehren und sie brach schluchzend zusammen.
Face ging zu ihr, zog sie langsam hoch und reichte Amy ein frisches Tuch aus seinem Jackett. Unwillkürlich musste Amy zwischen den Tränen lachen. Da stand Face, perfekt gekleidet wie immer, mit den besten Manieren, und dennoch war er nur ein smarter Hochstapler und ein Mitglied einer militärischen Spezialeinheit.
Nachdem Hannibal noch Frankie vorgestellt hatte, erzählte Amy, was passiert war.
Mr. Joyce spielte nach außen hin den ehrenwerten Mann, der seine wahren Geschäfte aber illegal machte und äußerst brutal dabei vorging. Amy kam durch einen Informanten auf Joyce Spur, und der Journalisteninstinkt tat das übrige.
„Ich bin keine gute Mutter“, sagte Amy plötzlich. „Durch meinen Sohn hätte ich kürzer treten müssen. Ich bin jetzt nicht mehr so frei wie früher. Ich hab alles falsch gemacht.“
Erneut barg sie weinend ihr Gesicht in ihren Händen.
„Damit konnte doch keiner rechnen“, sagte B. A. ungewöhnlich sanft, wie er sonst fast nur Kindern gegenüber ist. „Wir werden das schon hinkriegen.“
„Kann denn dein Mann nichts unternehmen?“ fragte Murdock.
„Nein, er hat keine Beweise. Außerdem hingen meine Artikel nie mit seiner Arbeit zusammen. Das machte vieles leichter.“
„Hey, Hannibal, du hast doch bestimmt einen Plan“, warf Santana ein, der befürchtete hier unnötig viel Zeit zu vergeuden.
Hannibal holte sich aus einer Innentasche seines Overalls eine Zigarre und entzündete sie. „Diesmal liegt alles an einer gründlichen Aufklärung der Umgebung. Dem kleinen Jonny darf nichts passieren.“
„Willst du etwa in dessen Haus einfallen?“ fragte Face entgeistert.
Hannibal grinste. „Wir werden eine Doppelstrategie anwenden.“ Und zu Amy gewandt, fragte er: „Haben sich die Entführer schon gemeldet, um zu sehen, wie du dich entscheidest?“
Amy schüttelte den Kopf.
„Okay, B. A. zapf die Telefonleitung an. Wir werden das Gespräch aufnehmen. Sie werden sich bald melden. Amy, du musst jetzt stark sein. Wenn die Kerle anrufen, musst du meinen Instruktionen genau folgen. Alles klar?“
Amy nickte. „Aber mein Mann? Der weiß von alledem nichts.“
„Keine Sorge, er wird anders beschäftigt sein. Vertrau uns.“

Hannibal gab Amy die Anweisungen, wie sie sich den Entführern am Telefon gegenüber zu verhalten hatte. B. A. hatte sich am Telefonmast vorm Haus zuschaffen gemacht und die Telefonleitung angezapft. Währenddessen überprüften die anderen Teammitglieder die Umgebung, ob das Haus eventuell beobachtet wurde. Es war nichts Verdächtiges zu sehen.
B. A. hatte am Telefonmast einen Sender angebracht, der die Telefonsignale an einen Empfänger im Van übertrug. Somit brauchte man keine Kabel mehr vom Mast in den Van zu verlegen. Ein nützliches Spielzeug der CIA.
„Face, du und Murdock fahren in die Stadt und folgt Amy's Mann auf Schritt und Tritt. Er darf in nächster Zeit auf keinen Fall nach Hause kommen.“
„Verstanden Colonel!“
Hannibal nickte zufrieden. „B. A. park weiter vorn. Wir sollten nicht so weit am Haus stehen.“
Der A-Team-Chef hatte sich von seinem Overall befreit. Er trug jetzt braune Hosen, ein weißes Hemd und eine Windjacke, sowie seine geliebten schwarzen Handschuhe.

„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass Amy verheiratet ist“, sagte Face während er mit Murdock in dem geparkten Wagen saß und das Gerichtsgebäude beobachtete. „Amy kam mir nie als Mutter und Hausfrau vor.“
„Daran solltest du dich aber gewöhnen, mein Lieber“, sagte Murdock plötzlich und deutete nach vorn. " Ihr Mann steigt gerade in seinen Wagen und fährt los.“
Die beiden A-Team-Mitglieder sahen, wie ein Lincoln aus einer Parklücke stieß, gefolgt von einem weiteren Fahrzeug.
„Das hat uns gerade noch gefehlt“, fluchte Face. „Mr. Daniels wird beschattet. Los, Murdock, sag dem Colonel bescheid!“
„Colonel, unser Ziel wird beschattet. Was sollen wir tun?“ fragte der Pilot per Funk. Es knackte kurz in der Leitung, bevor Hannibal antwortete. „Bleibt dran! Greift nur ein, wenn es die Situation erfordert, wenn Mr. Daniels nach Hause fährt.“
„Und sein Schatten?“
„Für die Kerle müsst ihr dann eine überzeugende Show bieten!“

„Du, Hannibal, glaubst du wirklich, die Typen rufen demnächst an? Face und Murdock können Mister Daniels nicht ewig fernhalten“, sagte B. A. besorgt.
„Hannibal, B. A. hat Recht! Wir müssen was unternehmen“, fügte Frankie hinzu.
Smith sog nachdenklich an seiner Zigarre. Plötzlich drehte er sich mit seinem Sessel zu Santana um. „Gib mir mal die Mappe mit den Informationen über Joyce, die uns Amy überlassen hat!“
Kurz darauf hielt Hannibal die Akte zwischen den Händen. Er blätterte einige Dokumente durch. Dann grinste er wissend.
„Ohoh, er hat wieder diesen Ausdruck“, bemerkte B. A. resignierend. „Jetzt ist er voll drauf.“
Der Colonel nahm das Autotelefon, tippte eine Nummer ein und wartete. Als sich am anderen Ende eine Stimme meldete, nahm Hannibal die Zigarre aus dem Mund und sagte dann:
„Ja, hier ist J. W. Butterborn von den Washington News. Könnte ich Mr. Joyce einige Fragen zum Entführungsfall Daniels stellen? ... Warten Sie! Sie müssen doch zugeben, dass Mr. Joyce von Mrs. Daniels aufs Korn genommen wurde ... Welche Stellungnahme hat Mr. Joyce dazu? ... Hallo, ... hallo! Aufgelegt!“ sagte Hannibal kurz, als er den Hörer in die Gabel zurücklegte.
„Oh, Mann, Hannibal, ob das richtig war?“ zweifelte Frankie. Doch Smith schob sich wortlos die Zigarre in den Mund und drehte sich wieder nach vorn.
Keine 2 Minuten später wurde Amy's Apparat angewählt. Die Teammitglieder im Van konnten jedes Wort mit anhören.

„Amy Daniels! Wer ist da?“
„Hier ist Mr. Joyce. Ich hoffe, Sie spielen nicht mit mir. Erst der Artikel heute in der Zeitung und jetzt ruft noch so ein dummer Reporter bei mir an und will ein Interview mit mir!“
„Mit beidem habe ich nichts zu tun“, erklärte Amy. „Ich will nur meinen Sohn zurückhaben.“
„Sie wissen, was dafür zu tun ist! Wenn nicht, muss ich Ihrem Baby leider wehtun.“
„Nein“, schluchzte Amy, „ich habe bereits alles veranlasst. Kann ich mein Baby sehen? Geben Sie es mir zurück!?“
„Das geht noch nicht, ich muss erst sicher gehen, dass alles zufrieden stellend läuft.“
„Dann lassen Sie es mich wenigstens sehen ...; Bitte!“
Joyce schwieg eine Weile. „Okay, sagen wir in 3 Stunden bei der Johnson Oil Company Lagerhalle! Wissen Sie, wo das ist?“
„Ja, ja“, antwortete Amy schnell.
„Keine Polizei und keine Tricks!“ fügte Joyce drohend hinzu. Dann war das Gespräch beendet.
Hannibal nahm das Funkgerät und rief Murdock und Face.
„Es hat geklappt, setzt Mister Daniels außer Gefecht!“

„Alles verstanden, Colonel!“ bestätigte Murdock. „Nun Faceman, was hast du für einen Plan?“
„Wirst du gleich sehen“, entgegnete Peck. Er trat das Gaspedal voll durch, scherte aus dem Verkehr aus und bahnte sich im Slalomstil den Weg durch die anderen Fahrzeuge. Mehr als einmal quietschten die Reifen und die Räder blockierten kurzzeitig. In hoher Geschwindigkeit schossen sie an den Verfolgern vorbei und holten schnell zu Daniels auf.
„Festhalten!“ knirschte Face zu Murdock während er sich weiter auf den Verkehr konzentrierte. „Du musst einfach den Verrückten spielen, der einen zuviel hinter die Binde gekippt hat ...; Sei einfach du selbst.“
Tempelton lenkte seinen Wagen immer näher an den Lincoln von Daniels heran. Manchmal kehrte er wieder zu Mittellinie der Fahrspur zurück. Doch dann riss Face das Lenkrad abrupt nach rechts, so dass  sein Kotflügel den des Lincoln streifte. Dann setzte Face noch mal nach. Nun berührten sich beide Fahrzeuge ständig. Daniels konnte dem Druck nicht mehr standhalten. Sein Wagen kam von der Straße ab, holperte über die Bordsteinkante und raste in einen Gemüsestand.
Die Holzstiegen zerbarsten unter dem Aufprall. Das Obst und Gemüse spritzte in alle Richtungen. Schließlich landete der Lincoln an einer Hauswand. Seine Geschwindigkeit war aber so gering, dass lediglich der Kühler beschädigt wurde.
Mit qualmenden Reifen stoppte Face. „Jetzt ist Showtime, Murdock!“
Die beiden stiegen aus dem Wagen aus, torkelten zum Unfallort und taten entsetzt.
„Siehst du, Stinky“, sagte Murdock lallend, während er versuchte stehen zubleiben, „ich hab dir gesagt, er fährt nicht zur Seite. Sieh nur, was du angerichtet hast.“
„Jaja, gib nur mir wieder die Schuld, Joe Bob“, fauchte Face in verstellter Stimme. „Du wolltest es doch auch wissen, ob er wegfährt.“
„Ist er aber nicht und du bist schuld.“
In der Zwischenzeit hatte Daniels benommen seinen Wagen verlassen und stand verwirrt auf der Straße.
„Alles in Ordnung, Mann?“ fragte Tempelton. „Es tut uns wirklich leid, aber Sie sind einfach nicht ausgewichen.“
Allmählich fand Amy's Mann seine Fassung wieder. „Und das mir! Haben Sie denn überhaupt eine Ahnung, was Sie angerichtet haben?“
„Aber klar“, lallte Murdock, „wir sehen den Schlamassel ja.“
Daniels schüttelte den Kopf. „Sie haben ja keine Ahnung“, murmelte er leise.
„Na, Kopf hoch“, sagte Face undeutlich, „das wird schon wieder.“
In der Zwischenzeit hatte sich eine Menschenmenge um den Unfallort gebildet und die Besitzer des Gemüsestandes kamen jetzt auch herbeigeeilt. „So ihr Strolche. Ich habe die Polizei gerufen. Sie wird bald hier sein.“
Face und Murdock sahen sich kurz an. „Nichts für ungut, aber wir müssen weiter“, entgegnete Murdock. Dann torkelten beide im scharfen Schritt zum Wagen, sprangen hinein und fuhren los.
In diesem Moment bog ein Streifenwagen um die Ecke, der sofort die Verfolgung aufnahm.
„Toll gelaufen, Face, die Cops sind hinter uns.“
„Nörgle noch herum, Murdock! Daniels ist erstmal beschäftigt.“
Mit rasanten Manövern überholte Tempelton einige Fahrzeuge, schnitt anderen die Vorfahrt, so dass es zu Auffahrunfällen kam und raste mit blockierten Rädern über die Kreuzung, um unbeschadet in Nebenstraßen abbiegen zu können.
Mittlerweile hatten sich 2 weitere Polizeiwagen der Verfolgung angeschlossen, während Face durch enge Gassen raste und einige Mülltonnen umfuhr.
Gerade als Face auf eine Kreuzung fuhr, näherte sich von links ein weiterer Streifenwagen. Geistesgegenwärtig riss Tempelton das Lenkrad herum und konnte durch schnelles Gasgeben und Bremsen sich an dem Hindernis vorbei manövrieren. Zwei der Verfolger schafften das auch, der Dritte raste in den Wagen der Kollegen hinein.
Peck war so mit dem Fahren beschäftigt, dass er gar nicht genau wusste, wo er hinfuhr. Erst Murdocks warnender Ruf: „Die Straße ist gesperrt!“ ließ Face näher auf seine Umgebung achten. Vor ihnen arbeiteten mehrere Bauarbeiter, die dabei waren, Sand in Schubkarren umzufüllen.
Einer winkte dem heran rasenden Wagen warnend hinzu. Doch Face hielt geradewegs auf den großen Sandhaufen zu. Rechtzeitig brachten sich die Arbeiter in Sicherheit, als das Auto über den Sand fuhr, ihn als Rampe benutzte und einige Meter über den Boden durch die Luft segelte. Mühelos übersprang Face die Autos der schmalen Querstraße, bis der Wagen auf vor ihnen liegenden Straße wieder aufsetzte. Face musste den Wagen ausbalancieren und beide Insassen wurden ordentlich durcheinander geschüttelt.
Eines der Polizeiwagen versuchte den Sprung auch, aber der Fahrer erwischte den Sandhügel nicht richtig. In der Luft kippte der Wagen zur Seite und kam auf dem Dach auf, bevor er sich mehrmals überschlug.
Die Straße war im Moment ziemlich leer, da wenig Verkehr herrschte und die anderen noch den ersten Sprung diskutierten.
Etwas benommen aber unverletzt krabbelten die Cops aus dem Wrack. Der dritte Streifenwagen hatte rechtzeitig angehalten.

Über Funk hatte Hannibal Face und Murdock an einen abseits gelegenen Parkplatz beordert. Jetzt galt es den wahren Schlachtplan zu entwickeln.
„Doppelstrategie“, bemerkte Hannibal noch mal. „Murdock, und Face werden sich das Haus vornehmen. B. A. , Frankie und ich den Wagen.“
„Du glaubst, die wollen Amy reinlegen?“ fragte Murdock.
„Eigentlich nicht. Joyce wird Amy versuchen bei Stange zu halten und ihr das Kind zeigen. Dennoch will ich kein Risiko eingehen. Murdock und Face werden sich einen Helikopter organisieren und in Bereitschaft bleiben. Wenn ich das Zeichen gebe, schlagt ihr zu.“
„Zu zweit gegen eine Übermacht?“ fragte Face und sah an seinem Anzug herab. „Mein Schneider wird mich umbringen.“
„So viele Wachen werden nicht da sein. Die meisten werden ihren Boss bewachen.“
„Wann willst du den Wagen stoppen, Hannibal?“ fragte Frankie.
Smith sog an seiner Zigarre. „Einige Meilen nachdem sie das Anwesen verlassen haben. Murdock wird uns aus der Luft das Auto beschreiben, sowie die Begleitfahrzeuge.  Um zum Treffpunkt mit Amy zu gelangen, gibt es nur eine Straße. Dort werden wir sie abfangen.“
„Du hast einen Plan“, grinste B. A. wissend, was eher wie ein Zähnefletschen aussah.
„Mr. Joyce weiß es noch nicht, aber er wird eine Impfung a la A-Team bekommen.“ Dann wandte sich Hannibal zu Frankie. „Du hast doch noch ein paar Kontakte zu einer Autoverleihfirma für Filmwagen. Ich benötige einen Krankenwagen und ein paar Spezialeffekte und das ganze bis in einer Stunde.“
„Ah, und ich soll wohl den Hubschrauber aus dem Hut zaubern“, sagte Face sarkastisch.
„Face, ich will deine Nerven nicht überstrapazieren. Ruf Amy an, sie soll den Verlagshubschrauber ihrer Zeitung organisieren und hierher dirigieren. B. A. und ich fahren vor und suchen einen geeigneten Platz. Frankie stößt dann mit dem Krankenwagen und den anderen Utensilien zu uns.“ Zufrieden mit seinem Plan setzte Hannibal sein triumphierendes Grinsen auf.

Mister Joyce war Ende 40, hatte leicht gekräuseltes Haar mit grauen Strähnen und trug ziemlich teure Kleidung. Er stand in der Eingangshalle seiner Villa und blinzelte durch die großen Verandatüren auf sein Anwesen. Einige bewaffnete Bodyguards mit Hunden marschierten über das Grundstück.
 Ein Geräusch ließ den Gangsterboss herumschnellen. Eine junge südländische Frau trug ein Baby im Arm, das schlief.
„Ist der Kleine soweit?“ fragte Joyce kühl.
„Ja, aber Sie sollten ihn schlafen lassen“, bat die Frau.
„Der Kleine ist nur Mittel zum Zweck. Verlieben Sie sich bloß nicht in ihn. Wenn die Sache vorbei ist, verschwindet er. Ist das klar?“ Seine Augen funkelten böse.
Ein großer bulliger Typ mit Schulterhalfter kam aus dem Nebenzimmer. „Die Wagen stehen bereit. Ach ja, und in einiger Entfernung kreist ein Helikopter.“
„Irgendwas Verdächtiges an ihm?“
„Im Moment nicht, aber mir gefällt das nicht, Sir!“
„Es wird Zeit aufzubrechen. Behalte den Hubschrauber im Auge. Du weißt, was im Notfall zu tun ist!“ Dann drehte sich Joyce um und verlangte nach dem Kind.
Nur widerwillig reichte ihm die junge Frau das Baby. „Aber es würde doch niemanden auffallen, wenn ich den Kleinen behielte“, flehte sie.
Doch Joyce ging wortlos mit dem Kleinen nach draußen. Er registrierte aus den Augenwinkeln einen Hubschrauber, der in einiger Entfernung einige Flugmanöver absolvierte. Dann ging er geradewegs auf eine schwarze Limousine zu und stieg ein. Einer der Bodyguards schloss die Tür und ging um den Wagen herum, bevor er auf dem Fahrersitz Platz nahm. In zwei anderen Ford-Autos stiegen die restlichen Leibwächter ein, die der Gangsterboss für nötig hielt.
Einige Minuten nachdem sich die Kolonne in Bewegung gesetzt hatte, kamen sie plötzlich zu einer Straßensperre. Einige Meter dahinter stand ein Krankenwagen mit aktivierter Rundumleuchte. Daneben stand ein Mann mit schwarzen glatten Haaren und einer seltsamen Uniform, der sofort auf die Absperrung losging und wild gestikulierte.
Die Wagen hielten an. „Na, frag, was da los ist“, zischte Joyce zu seinem Fahrer.
Der stieg aus und ging zu dem Mann hin. „Hey, Alter, mach den Weg frei. Wir müssen hier durch!“
„Ja, das würde ich sehr gern tun, Söhnchen“, sagte der andere gedehnt, „aber sehen Sie die grüne Wolke dort hinter den Büschen? Da ist vor ein paar Stunden ein Transporter mit Giftstoffen vorbeigefahren. Leider hatte der Fahrer die Ladung nicht richtig festgemacht, da ist ein Fass von der Ladefläche gefallen und wurde undicht.“
Die Augen des Fahrers wurden vor Angst immer größer. „Sind wir in Gefahr?“
„Wissen Sie, die Regierung sagte ‚Nein’ aber trotzdem stellte sie mich hier mit einer Krankenwagenbesatzung ab, um etwaige Passanten der Stelle mit einem Gegenmittel zu impfen, dort im Krankenwagen. Ach, ich hab mich noch gar nicht vorstellt, Inspektor Harvey Miller von der Bundesgesundheitsbehörde. Ich hatte heute eigentlich eine Verabredung zum Golf, aber da kam der dringende Anruf meiner Vorgesetzten hier diese Stellung zu halten.“
Der Fahrer sah unsicher abwechselnd zu der grünen aufsteigenden Wolke und zu dem Inspektor.
„Und was ist, wenn wir gleich umdrehen? Dann sind wir doch sicher?“
„Meine Vorgesetzten wollten mich ja schon beruhigen, indem sie sagten, es wäre harmlos, aber dann schickten sie mich hierher. Also, ich erklär ihnen das mal kurz. Sobald die Wolke in der Luft ist, verbindet sie sich mit anderen Elementen und wird unsichtbar. Falls der Stoff da drüben doch giftig ist, dann haben Sie und die anderen dort drüben schon eine ausreichend tödliche Dosis eingeatmet. Da kann Ihnen wirklich nur eine Spritze mit einem Serum helfen. Es dauert auch nicht lange.“
„Warten Sie hier, bitte!“ sagte der Bodyguard sichtlich von Todesangst zerfressen. Dann ging er mit wackligen Knien zu der schwarzen Limousine.
„Ich hab's nicht eilig“, rief der Inspektor hinterher, „wir wurden bereits geimpft!“
In kurzen Worten voller Angst und aufsteigender Hysterie erklärte der Fahrer Mr. Joyce die Situation. Daraufhin stieß dieser ruckartig die Tür auf und stieg mit dem Baby im Arm aus. „Du Idiot, was quatschst du denn so lange? Lass die Typen uns das Serum geben und dann nichts wie weg.“
Der Inspektor beobachtete die Szene. Plötzlich rief er laut: „Hey, ist das da etwa ein Baby? Mann, wissen Sie denn nicht, dass ein Kind in dem Alter, noch Gehirnschäden davontragen kann, gerade durch solche Giftstoffe? Ich würde meinen Job schlecht machen, wenn ich das Kind nicht als erstes behandeln lasse.“
Der Fahrer von Joyce sah seinen Boss fragend an.
Dieser war bereits vor Wut rot angelaufen. „Na, gib ihm schon das Kind. Je schneller wir fertig werden, desto schneller kommen wir hier fort.“

Als Hannibal den kleinen Jonny in den Armen hielt, drehte er sich um und stiefelte zum Krankenwagen. „Sanitäter, schnell, das Baby muss als erstes geimpft werden!“
Aus dem hinteren Teil kletterte Frankie, der einen weißen Kittel und weiße Hosen trug. Als der Colonel Santana das Kind übergab, rutschte dessen Jacke höher und der silberne Griff einer Automatik-Pistole wurde sichtbar.
Einer der Begleiter des Gangsterbosses sah das und rief warnend: „Das ist eine Falle. Sie wollen bloß das Kind!“
Hannibal reagierte sofort. „Versteck dich im Wagen mit dem Kleinen und pass auf, das nichts passiert, Frankie ... B. A. ...“
Noch während Smith nach Baracus rief, drehte er sich herum, zog die Automatic aus dem Hosenbund und schoss auf die Gegner. Gleichzeitig suchte er hinter der offenen Fahrertür des Krankenwagens Deckung.
Im selben Moment sprang B. A. aus der seitlichen Schiebetür, dass bekannte Sturmgewehr in der Hand. Gezielt gab er einige Salven auf die Gangster ab, die daraufhin Deckung hinter den Wagen suchten.
Die Kugeln des Sturmgewehrs bohrten sich durch die Karosserie der anderen Wagen, sowie durch die Scheiben. Einem der Wagen zerschoss der schwarze Irokese erst die Grillpartie dann den gesamten Motorblock.
Hannibal schwang sich auf den Fahrersitz. „Los, B. A.. weg hier!“
Baracus gab zum Abschied noch mal Feuer, bevor er sich durch die seitliche Schiebetür ins innere hechtete.
Sofort gab Smith Gas. Die Reifen drehten kurz durch, als der Van zurückstieß und Abstand gewann. Durch ein gekonntes Brems-Lenke-Manöver riss Hannibal den Krankenwagen herum und fuhr mit qualmend quietschenden Reifen davon.
Zurück ließ er einen verwirrten und wütenden Gangsterboss.
Der Krankentransporter raste mit überhöhter Geschwindigkeit die Straße entlang. „Alles in Ordnung mit euch und dem Baby?“ fragte Smith.
„Ja Hannibal, dem Kleinen geht’s gut“, bestätigte Frankie erleichtert. Selbst B. A. hatte etwas Sanftmütiges in den Augen. „Mann, Hannibal, das hat wirklich hingehauen.“
Zufrieden griff der A-Team-Chef nach dem Funkgerät. „Okay, Murdock, wir haben den Kleinen. Jetzt seit ihr dran.“

Murdock entfuhr ein freudiges Jauchzen, als er die gute Nachricht vernahm. So gleich legte er den Steuerknüppel nach links und setzte zu einem Steilflug an.
Face war durch das Manöver so überrascht, dass es ihn auf dem Rücksitz des Hubschraubers hin und her warf. „Murdock, vergiss nicht, dass du noch einen Passagier an Bord hast!“ jammerte Peck.
Aber der Pilot hielt bereits direkten Kurs auf das Anwesen. „Gleich wird's ungemütlich“, erklärte er gleichgültig, „ich hoffe, du hast die Handgranaten bereit?“
Face holte unter dem Sitz einen Armeegürtel hervor, in dem mehrere gesicherten Handgranaten steckten.
Kaum hatte der Helikopter die äußere Grenze des Anwesens erreicht, wurden sie von den verbliebenen Wachen unter Beschuss genommen. Gekonnt wich Murdock den Salven aus und Face ließ zwei Handgranaten entsichert fallen. Teilweise um sich in Deckung zu bringen, teilweise durch die Druckwelle segelten einige Wachen ihre Waffen noch in der Hand durch die Luft und landeten benommen auf dem Rasen.
Murdock steuerte den Hubschrauber auf die Villa zu. Dabei verzog er verschiedene Grimassen, die ein Zeichen hoher Konzentration bei ihm während solcher Flugmanöver waren.
Grinsend ließ Tempelton eine Granate auf der großen Veranda des 1. Stockes fallen. Die Wachen standen nicht nah genug, um ernsthaft verletzt werden zu können, aber die Druckwelle schleuderte sie über das Geländer. Unfreiwillig absolvierten sie eine Rolle und landeten auf dem Rücken in dem angelegten Blumenbeet. „Juhu“, rief der Pilot erfreut.
Murdock flog auf den Swimmingpool zu. Auch hier erwartete ihn Gegenfeuer. Erneut wich Howling Mad Murdock den Salven aus. Temp ließ eine weitere Handgranate fallen. Doch in dem Moment als sie aufschlug und explodierte, hechteten die Wachen bereits in das Wasser des Pools. Große Fontänen spritzten in alle Richtungen.
„Und jetzt noch den Pickup“, rief Murdock.
„Gerne, hab bloß keine Granaten mehr“, entgegnete Face.
„Dann nimm das Gewehr“, erklärte der Pilot.
Temp nahm das mitgenommene Sturmgewehr, welches das gleiche Modell wie B. A.s war und versuchte durch das Seitenfenster zu zielen. Murdock flog so ruhig wie nur möglich. Dennoch gingen die ersten Salven von Face bloß in den Boden und hinterließen kleine aber sichtbare Löcher. H. M. zog an dem Steuerknüppel. Der Hubschrauber flog eine leichte Kurve und für einen kurzen Moment hatte Face ein perfektes Ziel. Die Salve traf die Karosserie, die Reifen, den Motor und als der Wagen plötzlich in einem ohrenbetäubenden Knall explodierte, wusste Face, dass er auch den Benzintank getroffen haben musste. Das brennende Wrack wurde durch die Wucht in die Luft geschleudert und landete dann zerberstend wieder auf dem Vorplatz des Anwesens.
Noch einmal freudig jauchzend nahm Murdock Kurs zurück in die Stadt.

Das strahlende Gesicht von Amy, die großen, fragenden Augen des Babys und die Freudentränen der Mutter waren alles, was das A-Team sich durch diesen Einsatz erhoffte.
„Jetzt ist es vorbei, Jonny“, sagte Amy und drückte ihren Sohn fest aber sanft an sich.
„Noch nicht ganz“, warf Hannibal ein. „Wir konnten Joyce nicht dingfest machen. Er hat unseren Plan etwas zu früh durchschaut.“
„Aber ich habe mein Kind doch wieder“, sagte Amy mit einem leichten Anflug von Angst.
„Joyce ist ein verwundetes Tier, das Rache übt. Er wird hierher kommen!“
„Hier her?“ Amy war einem Nervenzusammenbruch nahe.
„Ja, aber du, dein Mann und Jonny werden nicht hier sein. Frankie begleitet euch zu einem sicheren Ort. Wo ist dein Mann?“
„Noch immer auf dem Polizeirevier. Die Cops wollen ihm einfach nicht glauben.“
„Ausgezeichnet! Amy, ruf dort an und sag ihm, dass du mit einem Freund vorbeikommst und dass alles in Ordnung ist. Frankie kümmert sich um den Rest.“
„Und wie kommen wir in die Stadt?“ fragte Santana.
„Face ist bestimmt so freundlich und überlässt euch seinen Wagen!“
„Aber natürlich“, entgegnete Tempelton knirschend, hatte aber den Zündschlüssel bereits in der Hand.
Als die Drei das Haus verließen, verfolgte das restliche A-Team die Abfahrt. Gleichzeitig beobachteten sie die Straße nach verdächtigen Fahrzeugen oder Personen. Amy hatte sich etwas verkleidet, langen Mantel, Kopftuch und Sonnenbrille. Da sie die Methoden der Spezialeinheit kannte, wusste sie, was zu tun war, um nicht aufzufallen.
Als die Corvette verschwunden war, zog Hannibal seine anderen Jungs zur Besprechung. „Wir haben nicht viel Zeit. Joyce wird sich ein paar Männer organisieren und hier einfallen wollen. Auf der offenen Straße können wir sie nicht bekämpfen. Das ist zu gefährlich. Wir müssen sie im Haus fertig machen. B. A. wir brauchen einige Waffen aus dem Wagen ...“
Dann erklärte Hannibal den Plan. Kurz darauf ging es an die Arbeit.
Face fand im Keller rechteckige Metallplanken, die er ins Wohnzimmer schleppte. B. A. holte aus seinem Van Werkzeuge, Blendgranaten und andere Utensilien. Die Blendgranaten wurden auf die Metallplanken montiert, danach mit einem Auslösemechanismus versehen und so an die Zimmerdecke angebracht, dass sie beim herunterklappen gegen die Wand schlugen. Von den Metallplanken hing ein Stück Schnur herab, an dem jemand ziehen musste, damit die Planken herunterklappten und gegen die Wand schlugen.
In der Waschküche von der es einen Hinterausgang gab bastelte B. A. aus dem Wasserschlauch der Waschmaschine einen Schlauch, der einen Hochdruckwasserstrahl ausstoßen konnte. Vor dem Haus präparierte das Team einen Gullydeckel mit einer Sprengladung. Zum Schluss überprüfte jeder seine Schusswaffe und ging in Position.
Es dauerte nicht lange, da näherten sich aufgedrehte Motorengeräusche. Dann bremsten die Wagen mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Mehrere Autotüren klappten auf und schlugen zu.
„Mrs. Daniels, Sie haben unsere Abmachung gebrochen und ein paar Typen engagiert, die mir etwas Angst einjagten. Ich gebe zu, ich war überrascht, aber das wird Ihnen jetzt auch nicht mehr helfen!“
„Wissen Sie was, Sie Großkotz?“ antwortete Hannibal. „Wir haben Ihnen schon einmal in den Hintern getreten und wir werden es wieder tun. Also, warum nimmst du nicht deine Hampelmänner und verschwindest ganz einfach von hier.“
„Das war's“, zischte Joyce vollkommen außer Kontrolle. „Wir kommen jetzt rein und holen euch.“
„Das wäre der größte Fehler, den du machen kannst, Joyce“, warnte Hannibal.
Doch der Gangsterboss war für vernünftige Argumente nicht mehr zugänglich. Mit einer kurzen Geste hetzte er seine Leibwächter in das Haus. Brutal trat einer die Eingangstür ein, dann stürmten 3 Mann in die Eingangshalle. Murdock, der sich hinter einer Vitrine versteckte und seine Augen schütze, zog an der Leine. Die Metallplanken klappten von der Decke, schlugen gegen die Wand und lösten die Blendgranaten aus. Die Eindringlinge waren verwirrt und orientierungslos.
Murdock hechtete hinter der Vitrine vor und warf sich dem einen voll in die Arme, so dass beide zu Boden stürzten. Im selben Moment schnellte B. A. hinter einem Sessel hervor, trat auf die Couch und mit der so gewonnenen Sprungkraft flog er auf die anderen beiden zu und riss sie zu Boden.
Da die Gangster immer noch benommen waren, leisteten sie nicht viel Widerstand.
Murdock zog seinen Gegner an den Jackenaufschlägen hoch, verpasste ihm mit der Faust einen kräftigen Schlag ins Gesicht und hielt den Bewusstlosen zwischen seinen Händen.
B. A. verfuhr nicht anders. Er riss einen seiner Gegner förmlich auf die Beine, gab ihm einen seiner berühmten kurzen aber kräftigen Faustschläge ins Gesicht. Dann packte er ihn am Hosenbund und Jacke und beförderte ihn durch die Luft gleitend durch Tür, wo er ihn losließ. Der Mann drehte sich in der Luft und landete mit dem Rücken hart auf dem Asphalt.
B. A.s 2. Gegner hatte sich soweit erholt, um den großen Schwarzen angreifen zu wollen. Geistesgegenwärtig schleuderte Murdock seinen Bewusstlosen Kampfpartner gegen den anderen. B. A. drehte sich herum und bekam in jede Hand einen zu fassen. Er atmete tief durch. Dann umklammerte er die Hemden der beiden fester und stieß sie hinter sich. Während der eine, ebenfalls den Weg durch die Tür nahm, segelte der andere durch das geschlossene Fenster. Glas splitterte, Fensterteile wirbelten umher und in die Gardine gehüllt landete der Gangster schließlich auf dem Rasen.
Zur selben Zeit versuchten andere Kerle über den Seiteneingang ins Haus zu stürmen. Sobald Face einen Schatten sah, drehte er den Hochdruckwasserhahn auf. Der Strahl zerschmetterte das Glas und jeder Mann, der den Strahl auf der Brust spürte, wurde rücklinks in den Garten katapultiert. Durch diese Methode schaffte keiner den Weg ins Haus.
Hannibal stand unterdessen hinter einem Fenster und beschäftigte die restlichen Gangster, die auf Joyce aufpassten mit einigen Salven des Sturmgewehres.
Als der Gangsterboss erkannte, dass er keine Chance hatte, krabbelte er in einen der Wagen und fuhr davon. B. A. beobachtete das Unterfangen vergnügt. Joyce steuerte geradewegs auf den präparierten Deckel zu. Baracus holte einen kleinen Kasten aus seinem grünen Overall, legte einen Finger auf den Kippschalter und legte diesen im richtigen Moment um. Die Detonation der Sprengladung riss die Vorderfront der 4-türigen Limousine nach oben. Dadurch verlor der Wagen das Gleichgewicht, kippte über und landete auf dem Dach. Sofort stürmte Hannibal nach draußen. Wer der Meinung war, den Colonel aufhalten zu können blickte plötzlich in die Mündungen von Sturmgewehren und Pistolen.
Gerade als der Colonel bei Joyces Wrack ankam, war dieser heraus gekrochen. Smith packte ihn am Kragen und riss ihn hoch, bis er dem Kerl in die Augen blicken konnte.
„Du hast dich mit den Falschen angelegt, Freundchen. Das ist für den Kummer, dem du unserer Freundin gemacht hast ...“
Hannibal holte aus und schlug zu. Seine behandschuhte Hand traf den Gangsterboss hart am Kopf. Der prallte gegen das Autowrack und rutschte besinnungslos zu Boden.
Zufrieden drehte sich Hannibal um, steckte sich eine Zigarre an und ging seinen Freunden entgegen. Breit grinsend verkündete er: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

„Kommst du auch wirklich klar?“ fragte Hannibal Amy.
„Jetzt, wo Joyce im Gefängnis sitzt und ich weiß, dass es euch noch gibt, fühle ich mich wirklich sicher.“
„Eine feste Familie hätte ich dir nie geben können“, gestand Face, als er Amy umarmte.
„Ich weiß“, hauchte Amy. „Hätten wir uns unter anderen Umständen kennengelernt ....“
Faceman drückte Amy lächelnd und sanft von sich.
In diesem Augenblick quietschte die Tür des Seiteneinganges. „Steven kommt manchmal über den hinteren Eingang“, sagte sie entschuldigend. „Es ist besser, wenn er euch nicht sieht.“
Während Hannibal und Face bereits auf dem Sprung durch die Verandatür waren, gab Murdock ihr einen flüchtigen Kuss, B. A. knurrte sie augenzwinkernd an und lächelte plötzlich sanft. Frankie klopfte Amy nur sanft auf die Schultern. Er konnte nur erahnen, was das A-Team mit ihr verband. Dann schlüpfte auch er durch die Verandatür.
„Amy? Amy, wo bist du?“ rief Steven. Sie antwortete nicht, sondern stand an der offenen Tür und starrte hinaus.
Schließlich kam Steven herein, der sich bereits wieder Sorgen machte. „Amy, alles in Ordnung?“
„Ja“, seufzte sie erleichtert, „ich habe mich nur verabschiedet.“ Ihr Mann stand hinter ihr und folgte Amy's Blicken. Dann bemerkte er den Van, schwarz mit roten Streifen und roten Felgen und den Antennen auf dem Dach, der im nächsten Moment in eine Straße abbog und verschwunden war
„Ich verstehe“, sagte er nur, „echte Freunde tauchen immer dann auf, wenn man sie am meisten braucht.“
Zärtlich nahm er seine Frau in die Arme. Steven wusste ganz genau, wem er sein zurück gewonnenes Familienglück zu verdanken hatte.
Auch er hatte schon mehr als genug von dem besagten Van und dessen Insassen gehört ...
 

Ende

© 04.03.03

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