Das A-Team
Eine Feindschaft in Ehren by Maddo
Inhalt: Das A-Team wird offiziell begnadigt. Doch damit fängt der Ärger erst an. Kann das A-Team seine Freiheit wirklich genießen?
Mitwirkende, A-Team, Decker, Richter Wils, Miss Shaw, Buster
Colonel Roderick Decker saß in seinem Büro und beendete gerade einen Bericht über eine von ihm geleitete Mission.
„Und wieder einen erfolgreichen Job erledigt“, dachte der Militärpolizist und kritzelte seine Unterschrift unter die letzte Zeile. Danach legte er den Füller weg und lehnte sich zurück.
Seine Gedanken kreisten um die nächsten Tage. Immerhin war es ein offenes Geheimnis, dass Decker zur Beförderung zum Brigadier General vorgeschlagen worden ist.
„Endlich erkennen die Bürohengste im obersten Stab meine Methoden an“, schoss es Decker durch den Kopf. Und er war stolz dabei. Schließlich sahen manche Vorgesetzten die Vorgehensweise des Colonels skeptisch. Man hielt sie für zu brutal und fürchtete, dass dadurch die Army in der Öffentlichkeit nicht gut da stand. Decker hatte die Presse noch nie interessiert. Er musste seinen Job erledigen, und das mit allen Mitteln, die dafür notwendig waren. Genau das machte ihn erfolgreich. Und deshalb traten die ‚hohen Tiere’ auch immer wieder an ihn heran, wenn andere mit einem bestimmten Problem nicht fertig wurden.
Dem Colonel vielen sofort seine militärischen Erfolge ein, die sich dann auch seine Vorgesetzten zuschrieben. Sie hatten ja Decker für diese Aufgaben ausgewählt.
Decker konnte sich aber gegen einen unangenehmen Gedanken, der sich in sein Bewusstsein schlich, nicht erwehren. Da gab es eine Mission, die er selbst nie abgeschlossen hatte. Vermutlich der einzige Grund, warum eine Beförderung so lange auf sich warten ließ.
Während sich diese düsteren Gedanken in ihm breit machten, verschwanden die anderen triumphalen Gefühle plötzlich und alles drehte sich nur noch um seinen größten Fehlschlag.
Vor einigen Jahren benötigten seine Vorgesetzten mal wieder Deckers unkonventionelle Art, um einige flüchtige Männer zu fassen, die sich das A-Team nannten und von einem gewissen Lt. Colonel John Smith, genannt ‚Hannibal’ angeführt wurden.
Über mehrere Jahre hinweg lieferten sich das A-Team und der gesamte Militärapparat ein verbissenes Katz-und-Maus-Spiel. Roderick musste eingestehen, dass er einen cleveren Gegner vor sich hatte, der ihm immer wieder entwischte. Selbst als die flüchtigen drei Männer mehr als einmal gestellt waren und teilweise im Militärgefängnis landeten, entkamen sie jedes Mal auf wundersame Weise.
Bis zum jetzigen Tag war es Decker ein Rätsel, wie sie das immer wieder schafften.
„Aber das ist nun vorbei“, versuchte Roderick die Gedanken wegzuwischen. „Letztendlich wurden sie geschnappt, verurteilt und hingerichtet.“
Plötzlich schlug Decker wütend mit der Faust auf den Tisch. „Aber nicht von mir, verdammt noch mal“, fluchte er innerlich. Der Militärpolizist dachte daran, wie man ihm die überraschende Meldung brachte, dass John Smith, Tempelton Peck und B. A. Baracus verhaftet worden waren. Gleichzeitig bekam Decker die Aufforderung vor dem Militärgericht als Zeuge der Anklage aufzutreten.
Es war damals eine Genugtuung, das A-Team auf der Anklagebank sitzen zu sehen, während er zur Verurteilung beitrug. Und offensichtlich schien diesmal eine Flucht zu missglücken.
Decker war zwar zu Ohren gekommen, dass ein Patient eines Veteranenhospitals versuchte, die drei Gefangenen zu befreien, aber dieser Plan schlug fehl. Am Ende wurde das Urteil vollstreckt und das A-Team standrechtlich erschossen.
Erst später wurde Decker klar, dass er sich an die Jagd nach Smith gewöhnt hatte. Es fehlte plötzlich was. Vermutlich war es nur das Gefühl, dass ein anderer ‚seine’ Mission erledigte. Decker hörte nur von einem ominösen General Stockwell, der ausgezeichnete Verbindungen zum Militär und den Geheimdiensten haben musste. Aber keiner, den Decker nach diesem Stockwell fragte konnte oder wollte dem Colonel Auskunft geben.
Damals machte sich Decker sogar die Mühe, einwenig nachzuforschen. Schließlich behauptete das A-Team jedes Mal, die Bank in Hanoi auf einen gültigen Befehl überfallen zu haben. Dem Militärpolizisten kam es auch verdächtig vor, dass ein wichtiger Entlastungszeuge des A-Teams ermordet wurde. Decker stieß bei seinen Recherchen zumindest auf Ungereimtheiten, die die Story von Smith nicht mehr ganz so absurd erscheinen ließen. Aber eine Flucht war eine Flucht!!! Roderick redete sich daraufhin ein, dass man über den Rechtsweg für seine Unschuld hätte kämpfen sollen, anstatt auszubrechen, um im Untergrund zu leben.
Der Colonel schüttelte sich. „Konzentrier dich auf die Zukunft“, ermahnte sich der Mann selbst. Es klopfte an der Tür.
„Herein!“ rief Decker, während er die braune Mappe, die seinen neuesten Bericht enthielt, zuklappte.
Die Tür öffnete sich und ein dunkelhäutiger Mann trat ein. Er trug ebenfalls die Uniform der Militärpolizei.
„Was gibt es, Major?“ fragte Decker als er das verstörte Gesicht des anderen bemerkte.
Crane salutierte kurz. „Colonel, ich … ich … Sie werden es nicht glauben!“ stammelte der vor kurzem zum Major beförderte Crane.
Reißen Sie sich zusammen!“ befahl Decker mit fester Stimme.
Crane, der mit seinen inneren Gefühlen zu kämpfen hatte, entschloss sich, gar nichts zu sagen. Er schritt zum Schreibtisch des Colonels und übergab ihm ein zusammengefaltetes Papier.
Decker war sichtlich verblüfft, dass eine Meldung bei jemandem solche Gefühle hervorrufen konnte. Verwundert öffnete Decker das Papier, und was er las, traf ihn nicht minder:Auf Anordnung des Pentagon in Absprache mit der Regierung in Washington D. C. werden folgende Personen mit sofortiger Wirkung begnadigt:
Lt. Colonel John Smith, First Lieutenant Tempelton Peck und Sergeant Bosco Albert Baracus.
Die genannten Personen, auch bekannt als das A-Team, haben während den letzten Jahren ihrem Vaterland außerordentliche Dienste erwiesen. Aus Gründen der Geheimhaltung war es notwendig gewesen, das A-Team für tot zu erklären. Dieser Status wird ebenfalls mit sofortiger Wirkung aufgehoben.
Lt. Colonel John Smith, First Lieutenant Tempelton Peck und Sergeant Bosco Albert Baracus sind ab sofort als freie Personen zu behandeln, die zurück in die Gesellschaft integriert werden müssen.
Wir wünschen ihnen dabei viel Glück
Das Oberkommando
Aus dem Gesicht Deckers wich jegliche Farbe und Gefühlsregung. Versteinert saß er da, hatte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst und las das Schreiben mehrmals durch.
Major Crane wartete geduldig ab, welche Befehle der Colonel ihm als nächstes erteilen würde. Es schien aber, als würde Decker so schnell keine Regung zeigen.
Unerwartet schnellte er aus seinem Sessel hoch. Von einer zur anderen Sekunde hatte Roderick seine Fassung wieder gefunden.
„Major, besorgen Sie mir jede Akte, jedes Dokument und jeden Papierfetzen über das A-Team! Ich will alles spätestens in einer Stunde auf dem Schreibtisch haben!“
Crane nickte „Ja, Sir!“ Er verabschiedete sich salutierend und verschwand. Decker entgegnete dem Salut nur halbherzig. Sich leicht nach vorn gebeugt, stützte sich der Militärpolizist auf seinen Schreibtisch.
„Es ist noch nicht vorbei, Smith. Ich kriege Sie trotzdem“, murmelte er entschlossen.Jonny Brecht lehnte an seinem Schreibtisch. Vor ihm saßen Hannibal, Tempelton und B. A. „Was soll ich lange um den heißen Brei herumreden?“ sagte der Leiter der geheimen CIA-Sektion. „In den Umschlägen hinter mir, befinden sich Ihre Begnadigungsschreiben, sowie Ihre Ausweisdokumente, die Ihnen bei der Verhaftung 1972 abgenommen worden. Außerdem befinden sich in den Umschlägen noch einige Formulare, die Sie benötigen, um sich offiziell zu registrieren, bei den Behörden, dem Finanzamt und so weiter. Ich brauch Ihnen ja nicht zu sagen, dass es sich nur noch um einige bürokratische Formalitäten dreht, die Sie in den nächsten Tagen abwickeln müssen. Auf jedem Fall gratuliere ich Ihnen zu Ihrer Begnadigung.“
Brecht gab den drei Personen den zugehörigen Umschlag. Dann ging er um den Schreibtisch herum und setzte sich. „Wenn Sie noch irgendwelche Fragen haben, wenden Sie sich ruhig an mich oder meine Mitarbeiter.“ Mit diesen Worten widmete sich Jonny wieder seiner Arbeit.
Für das A-Team war es die indirekte Aufforderung zu gehen. Im Vorzimmer warteten bereits Murdock und Frankie. Murdock hatte seine Papiere bei der Entlassung aus dem Veteranenhospital wiederbekommen und Frankie war nur wegen einer Abmachung mit Stockwell bei der Truppe.
Face war der Erste, der den versiegelten Umschlag aufriss. Er zog seinen Pass heraus und durchblätterte ihn prüfend. Für einen Moment zuckte er zusammen, als er sein altes Foto sah. „Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Ding noch einmal wieder sehe. Wisst Ihr, was dass heißt? Hm?“
Die anderen sahen Temp abwartend an.
„Termine beim Frisör, dem Schneider und einem Fotografen. Ich muss schleunigst dieses alte Bild austauschen“, fuhr Peck fort. Er schob sich an seinen Freunden vorbei, als wolle er das Gesagte gleich in die Tat umsetzen.
Hannibal, B. A., Frankie und Murdock sahen ihm kopfschüttelnd nach.
„Was machen wir jetzt, Hannibal?“ fragte der schwarze Irokese.
Smith, der nun ebenfalls seinen Umschlag geöffnet hatte und den Inhalt prüfte, antwortete: „Genau, das, was Brecht sagte, wir werden uns als freie Bürger offiziell registrieren und uns dann eine neue Bleibe suchen.“
„Ich weiß gar nicht, ob mir das gefällt, wieder frei zu sein! Die Jahre im Veteranenhospital und im Untergrund werden mir doch fehlen!“
„So, wie ein paar Schrauben von dir“, spottete B. A. über Murdock.
„Sicher, es wird nicht ganz einfach sein, wieder ein normales Leben führen zu können, aber dieses Ziel erreichen zu können, hat uns überleben lassen“, fügte Hannibal nachdenklich an.Die Jungs brauchten etwas, um die CIA davon zu überzeugen, sich ein eigenes Heim zu suchen. Aber letztendlich gab es keinen Grund mehr, das A-Team in ihrem Domizil zu verstecken. Es dauerte ein paar Tage, bis sich die Spezialeinheit auf ein Haus einigen konnte. Bei der Suche nach einer neuen Unterkunft ging es den Männern einerseits um die Räumlichkeiten und um die Möglichkeiten, dass jeder seinen Hobbys und Interessen nachgehen konnte. Ein anderer wichtiger Aspekt waren die Verteidigungsmöglichkeiten des Hauses und des kleinen Grundstückes. Alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen. Es konnte auch nie Schaden auf Überraschungen vorbereitet zu sein.
Das Haus diente auch im Notfall als Operationsbasis. Die Garage bot für den Van und Tempeltons Corvette genug Platz. Es gab sogar eine kleine Ecke, die als Werkstatt diente.
Jeder packte mit an, um das Haus entsprechend einzurichten. Murdock machte jedoch klar, dass er sein Apartment, welches er bewohnte, nicht aufgeben würde. Und auch Face, spielte mit dem Gedanken, sich zusätzlich eine Wohnung zu mieten. Immerhin wollte er nicht mit seinen weiblichen Eroberungen über seine Freunde stolpern. Face zog dann eine romantische Zweisamkeit vor.
Die kommenden Tage musste sich ein neuer Rhythmus entwickeln. Es galt die noch offenen Formalitäten zu erledigen und zu der der CIA Einsatzzentrale lagen jetzt ein paar Meilen, die das A-Team jedes Mal zurücklegen musste. All das musste in einem Tagesablauf berücksichtigt werden.
Interessanterweise vollzog sich alles ohne Presserummel. Die entsprechenden Behörden, die von der Begnadigung erfahren mussten, bekamen die Informationen über geheime Kanäle. Und auch die Mitglieder des A-Teams hatten keine Lust in der Öffentlichkeit aufzutreten. Gerade Peck hatte damit früher schon schlechte Erfahrungen gemacht.Das Team befand sich im Wohnzimmer des neuen Hauses und hatte sich um den großen runden Tisch aus Massivholz versammelt. Vor ihnen waren einige Skizzen, Pläne und Zeichnungen.
„Der Tresorraum befindet sich im 1. Stock“, sagte Hannibal und tippte mit dem Mundende seiner frisch entzündeten Zigarre auf einen bestimmten Punkt auf einer der Skizzen. „Dort sollen sich die Pläne der Raketenabwehrstellung befinden. Leider sind die Informationen über die Verteidigungsanlagen dürftig.“
„Das ist Wahnsinn“, knurrte B. A. „Wie sollen wir denn da reinkommen?“
„Brecht geht davon aus, dass er noch einige Informationen erhal …“ Hannibal wurde plötzlich unterbrochen. Laute Motorengeräusche, quietschende Reifen und mehrfaches Türenklappen war zu hören.
Smith huschte zum Fenster. Seine Automatik instinktiv aus dem Hosenbund ziehend. Er spähte hinaus und sah einen Wagen der Militärpolizei, zwei Streifenwagen und noch zwei Zivilfahrzeuge.
„Ratet mal, wer zum Essen kommt“, grinste Hannibal.
Während B. A. angestrengt nachdachte, verzog sich Pecks Gesicht zu einer angewiderten Miene, als es ihm dämmerte. „Doch nicht der gute alte Decker!“
„Decker? Was will der Arsch denn hier?“ brummte Baracus finster.
„Vielleicht ein Einweihungsgeschenk überreichen“, witzelte Murdock.
Im selben Moment klingelte es an der Tür. Hannibal steckte die Waffe weg und marschierte in den Eingangsflur.
„Ist ja ganz was Neues, das Decker klingelt! Er hat wohl sein Megaphon vergessen“, rief Face dem Colonel hinterher.
Ohne lange nachzudenken, öffnete Smith die Tür. Da standen sich nun beide Widersacher Auge in Auge gegenüber.
„Tatsächlich, Smith, Sie leben!“ sagte der Militärpolizist ruhig. „Ich muss zugeben, ich war geschockt, als ich von Ihrer Wiederauferstehung hörte. Aber ich bin auch zutiefst erfreut.“
„Gut, und was soll Ihre Ehrengarde hinter Ihnen, Decker?“ fragte Smith verwundert. „Sie schaffen es wohl nicht allein irgendwo hinzugehen?“
„Machen Sie ruhig Ihre Witze, Smith!“, entgegnete Roderick mit einem triumphalen Unterton. Gleichzeitig schob er sich an Hannibal vorbei, gefolgt von einigen der anderen Männer. Der Rest blieb draußen.
„Decker, was wollen Sie hier?“ fragte Tempelton, als der Colonel im Wohnzimmer auftauchte. „Selbst Sie müssen doch von unserer Begnadigung gehört haben. Diesmal ist alles korrekt.“
Decker schlenderte langsam auf Peck zu. Dann wanderte sein Blick zu B. A. , Frankie und Murdock.
„Tempelton Peck, B. A. Baracus und H. M. Murdock. Jetzt wird mir einiges klar“, nickte Decker verstehend.“
„Ein Wunder, dass Sie es überhaupt verstehen“, spottete Smith und sog an der Zigarre. „Aber jetzt mal Klartext, was wollen Sie, Decker?“ fügte der weißhaarige Mann ernst hinzu.
Während der Militärpolizist Frankie musterte und ihn nicht richtig einordnen konnte, antwortete er: „Ich habe hier einen Haftbefehl für Sie, Peck und Baracus! Und diese netten Herrn da drüben werden Sie ins Gefängnis begleiten!“
„Wir gehen nirgends wohin“, fauchte B. A. und trat mit funkelnden Augen an Decker heran. Seine Gesichtsmuskeln zuckten wütend.
„B. A.!“ rief Hannibal warnend, und zu Decker gewandt, fuhr er fort. „B. A. hat Recht, wir sind freie Bürger.“
„Was die Flucht angeht, stimmt das, aber haben Sie vergessen, welche Gesetze Sie in den letzten Jahren alle überschritten haben? Ja? Dann werde ich Ihnen einwenig auf die Sprünge helfen.“
Breit grinsend faltete Roderick den Haftbefehl auseinander.
„Sie werden angeklagt wegen: Diebstahl von Militäreigentum (z. B. diverse Flugzeuge, Panzer Militärjeeps), Hochstapelei, Betrügereien, Waffenhandel, Schwarzmarktgeschäfte, Körperverletzung, Steuerhinterziehung, Sachbeschädigung, Gefährdung von Menschenleben und so weiter, und so weiter!“
„Hey, Decker! Sie können doch nicht so nachtragend sein. Können wir das nicht vernünftig regeln?“ warf Face mit abwehrenden Handgesten ein.
„Damit kommen Sie nicht durch“, erklärte Hannibal. „Das war doch alles Folge der Flucht!“
„Es hat Sie keiner gezwungen, die Helden zu spielen. Jeder andere Flüchtling hätte versucht, sich unauffällig zu verhalten. Aber nicht Lt. Colonel Smith. Ein Bundesgericht wird nun darüber entscheiden!“
„Und was wollen Sie dann hier?“ fragte Smith
„Ich konnte die Gelegenheit doch nicht verstreichen lassen, Ihnen die freudigen Nachrichten selbst zu überbringen. Außerdem umfasst die Anklage auch militärische Punkte. Daher werde ich als Co-Ankläger fungieren.“
„Damit haben Sie Ihren absoluten Tiefpunkt erreicht, Decker“, zischte Smith. „Sie haben bisher immer versagt. Das wird dieses Mal nicht anders sein.“
„Oh doch, die Beweise sind erdrückend. Und für eine erneute Flucht gibt es nun keinerlei Rechtfertigung mehr … Und Sie Captain Murdock, kommen auch mit. Bei Ihnen werde ich den Antrag stellen, Sie rückwirkend als zurechnungsfähig erklären zu lassen. Ich werde beweisen, dass Sie ein Simulant sind und deshalb wie Ihre Kameraden voll angeklagt werden können! Los festnehmen!“ fügte Decker mit einer vielsagenden Kopfbewegung an.
„Colonel!“ schrie B. A. „Was sollen wir tun?“
Hannibal dachte kurz nach. Dann streckte er seine Handgelenke aus. „Im Moment hat Decker die besseren Karten, fürchte ich.“
„Das glaub’ ich einfach nicht“, entgegnete Face fassungslos.
„Ich kann auch noch Widerstand gegen die Staatsgewalt mit auf die Anklageschrift draufsetzen lassen“, höhnte der Militärpolizist.
Die Handschellen klickten zu. Einzig B. A. sträubte sich. Im letzten Moment besann er sich und sah grimmig zu, wie sich die Handschellen schlossen. Dann wurden die Gefangenen abgeführt.
Zufrieden sah sich Decker im Haus um. Er wartete bis zwei andere Militärpolizisten anschließend das Wohnzimmer betraten. „Alles durchsuchen! Jede Waffe, jedes militärische Gerät wird konfisziert und als Beweis deklariert. Ach ja, und vergesst auf gar keinen Fall den Van des A-Teams!“
Dann machte sich Decker auf den Weg nach draußen, als er plötzlich von einer Stimme zurückgehalten wurde.
„Und was ist mit mir?“ fragte Frankie.
Roderick drehte sich um. „Ich weiß nicht, wie Sie zum A-Team stehen oder für wen Sie arbeiten! Aber an Ihrer Stelle würde ich mich nach neuen Partnern umsehen.“
Er ging aus dem Haus. Zurück blieb ein verwirrter Frankie Santana.„ … ich kann Ihnen nicht helfen!“ sagte Brecht bedauernd. „Die Anklageschrift ist stichhaltig.“
„Was ist mit unserem Abkommen?“ fragte Smith.
„Das haben wir eingehalten! Ihre Begnadigung ist durch. Aber sie bezog sich nur auf den Ausbruch und die Flucht“, entgegnete Brecht. „Die jetzige Situation hatten wir nicht einkalkuliert.“
„Das war es dann also? Wir werden doch im Knast landen?“ fragte Face resignierend.
„Die Firma und speziell unsere Sektion darf nicht in Erscheinung treten. Ich habe eine Verantwortung den anderen Mitarbeitern und unseren Operationen gegenüber.“
„Und was ist mit uns?“ knurrte B. A.
„Die Anklage bezieht sich allein auf den Zeitraum nach der Flucht bis zur Anklage vor dem Militärgericht. Da Sie damals noch nicht für uns tätig waren, sind uns leider die Hände gebunden. Es tut mir leid.“
Brecht erhob sich und trat an die Metalltür. Nach einem kurzen Klopfen rief er: „Wache!“
Kurz darauf schlüpfte er durch die geöffnete Tür und das Team blieb allein im Besucherraum.
„Mann, Hannibal, wir müssen hier raus!“ sagte Baracus mit zittriger Stimme.
Hannibal sog an seiner Zigarre, während er angestrengt an die Wand starte. Dann sagte er nüchtern: „Jungs, ich glaube, diesmal hat Decker wirklich gewonnen.“
Face, B. A. und Murdock sahen sich betroffen an.Dem A-Team wurde eine Pflichtverteidigerin zur Verfügung gestellt. Nach anfänglichen Misstrauen auf beiden Seiten, gelang es doch, eine halbwegs vernünftige Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Die Anwältin versprach im Rahmen ihrer Möglichkeiten, einige Zeugen aufzusuchen, denen das A-Team geholfen hätte. Alle Anklagepunkte sollten mit der Notwendigkeit des Schutzes unschuldigen Lebens erklärt werden.
Der Tag des Prozesses begann. Da die 4 Männer offiziell nicht mehr dem Militär angehörten trugen sie Zivilkleidung. Der Gefangenentransporter war ein schwerfälliger Bus. Im inneren befanden sich kleinere Zellen mit Halterungen für die Handschellen. Fünf Wachleute mit Pumpguns und ein Fahrer befanden sich außer den Insassen im Bus.
Als das A-Team in den Bus geführt worden, warteten bereits andere Gefangene, alle in Sträflingskleidung. Einige schienen keine Notiz der vier Männer zu nehmen, andere beobachteten sie genau.
„Was ist hier los?“ fragte Murdock. „Warum sind so viele Passagiere an Bord?“
„Halt die Klappe und steig ein!“ bellte einer der Wachleute und verpasste dem Piloten mit seiner Pumpgun einen spürbaren Schlag in die Rippen.
B. A. fletschte drohend die Zähne. Im nächsten Moment blickte er in die Mündung eines der Gewehre. „Ganz ruhig, Jungs!“ murmelte Hannibal leise aber hörbar.
Jeder der Mitglieder des A-Teams wurde in eine eigene Zelle gesetzt und angekettet.
„Keine Dummheiten, Ladys“, rief einer der Wachen verächtlich.
Einige Minuten später setzte sich der Bus mit heulendem Motor in Bewegung. Vor dem Transporter und hinter dem Transporter hatte sich je ein Streifenwagen gesetzt.
Die Fahrt führte einige Meilen über wenig befahrene Landstraßen außerhalb der Stadt. Im Inneren herrschte Stille.
Instinktiv beobachtete der Colonel wie auch seine Freunde die gesamte Umgebung. Sie versuchten die Situation genau einzuschätzen, das Gefahrenpotential zu erkennen und eine Strategie zurechtzulegen. Es war eine antrainierte Verhaltensweise.
Gerade Hannibal achtete auf jede Kleinigkeit. Einer der anderen Mitgefangenen kam ihm nicht geheuer vor. Unauffällig verfolgte Smith jeden seiner Regungen. Dabei bemerkte der A-Team-Chef, wie der bullige Typ vorsichtig und relativ unauffällig mit der linken Hand in den rechten Ärmel seines Overalls griff. Kurz darauf zerrte er ein längliches dünnes Metallband hervor, was er in der linken Faust verbarg. Dann verhielt er sich für einige Minuten ganz still.
Die Wachen kontrollierten regelmäßig aber halbherzig die Sitzplätze. Dann unterhielten sie sich wieder.
Smith machte keine Anstalten, die Wachen zu alarmieren. Stattdessen setzte er seine Beobachtungen fort. Es dauerte nicht lange, als der bullige Gefangene weitermachte. Er hustete ein paar Mal und entschuldigte sich dafür, als ihn eine Wache prüfend anstarrte.
„Entschuldigung, ich habe mich verschluckt. Das liegt an der stickigen Luft.“
„Keine Sorge, Buster, du wirst bald wieder gesiebte Luft atmen“, höhnte eine der Wachen.
Buster ging nicht weiter drauf ein, aber er nickte kurz einem anderen Gefangenen zu, der durch das Husten auf Buster aufmerksam wurde.
Smith schloss daraus, dass dies ein Signal war, und das in kürze mit allen zu rechnen war. Hannibal suchte den Blick zu seinen Freunden. Obwohl sie sich nicht groß bewegten, erkannte der Colonel anhand der Augen, dass sie das Gleiche dachten.
Buster wurde nicht weiter von den Beamten registriert. Deshalb fädelte er gekonnt ohne sich groß zu bewegen, den Metallstreifen in das Schloss der Handschellen. Er stocherte geschickt herum und hielt plötzlich inne. Dann ließ er den Metallstreifen fallen und verhielt sich wieder ganz ruhig.
Weitere Minuten vergingen, ohne dass etwas geschah. Ein leises entferntes Donnern näherte sich schnell und schwoll zu gellenden Motorengeräusche an.
Die Landstraße führte durch ein unübersichtliches Waldgebiet. Plötzlich schoss aus einem Waldweg ein Pickup heraus, der sich hinter den letzten Streifenwagen setzte. Zur gleichen Zeit tauchte über den Baumkronen ein Helikopter auf, der sich in einem schnellen Sinkflug vor den ersten Streifenwagen setzte und die Position wenige Meter über der Fahrbahn hielt.
Etwa zur selben Zeit wurde aus dem Helikopter ein Raketengeschoss abgefeuert und aus dem Pickup auf den Streifenwagen geschossen.
Das Raketengeschoss bohrte sich unmittelbar vor dem Streifenwagen in die Straße und explodierte. Das Auto wurde durch die Wucht mit der Schnauze voran in die Luft gewirbelt. Dort drehte es sich, landete auf dem Dach und überschlug sich.
Die Salven des Maschinengewehres durchbohrten den anderen Streifenwagen, zerfetzten seine Hinterreifen, so dass der Fahrer die Kontrolle verlor und in eine kleine Böschung abseits der Straße fuhr. Die Insassen hechteten aus dem Wagen bevor dieser gegen einen Baum prallte und explodierte. Der Gefangenentransporter versuchte dem Wrack, was einmal das erste Begleitfahrzeug war, auszuweichen. Dabei übersah der Fahrer eine Unebenheit am Straßenrand. Der schwerfällige Bus holperte drüber, kam dadurch in eine Schräglage, bis er vollends das Gleichgewicht verlor und zur Seite kippte, auf der er noch ein paar Meter über die Fahrbahn rutschte.
Mit quietschenden Reifen stoppte der Pickup. Die Insassen sprangen heraus und kontrollierten die Umgebung. Von den Wachen ging keine Gefahr mehr aus. Der Hubschrauber stieg empor und verschwand.
Unterdessen rutschte Buster etwas benommen aus seiner Zelle. Er hatte sich beim Unfall des Busses leicht verletzt. Durch die seitliche Lage des Gefangenentransporters musste er erst einen Weg finden, sich halbwegs vernünftig zu bewegen.
„Hey, Buster, vergiss mich nicht“, rief der andere Gefangene, dem der bullige Typ das Zeichen gegeben hatte.
„Ich hol ja schon die Schlüssel“, fauchte Buster. Die Befreiungsaktion hatte nicht so geklappt, wie erhofft. Wenig später hatte der bullige Kerl seinen Komplizen befreit. Einige der anderen Gefangenen riefen ebenfalls nach dem Schlüssel für die Handschellen, aber die beiden Gangster robbten zu einem zersplitterten Fenster, aus dem sie in die Freiheit krabbeln wollten. Von draußen erschien an dem Fenster einer der Insassen des Pickup.
„Es ist alles vorbereitet, Boss“, rief er. „Die Bombe im Gericht ist gelegt. Sobald der Verräter Kargas dort eintrifft, können Sie ihn hochjagen.“
„Ich würde noch ein wenig lauter schreien, damit dich auch jeder hört!“ brüllte Buster. Und als wolle er sicher gehen, dass ihn niemand gehört hatte, drehte er sich um, bevor er sich durch das Fenster zwängte. Sein Blick viel auf vier reglose Gestalten, die anscheinend das A-Team waren, jetzt aber tot oder bewusstlos in ihren Zellen lagen. Mit einem verächtlichen Kichern ließ Buster den Schlüssel für die Handschellen in den Bus fallen, so dass ihn keiner erreichen konnte.
Die Stimmen entfernten sich.
Hannibal, Face, B. A. und Murdock öffneten die Augen. „Hast du gehört, Hannibal, die wollen ein Gerichtsgebäude hochjagen“, sagte der Irokese gepresst.
„Lasst uns erstmal hier rauskommen“, entgegnete Smith. „B. A. du musst dich anstrengen! Du bist der einzige, der uns befreien kann!“
Baracus nickte nur. Dann spannte er seine vorzüglich ausgeprägten Muskeln an. Er stöhnte zähnefletschend, jede Sehne seines Körpers stand unter hoher Anstrengung.
„Du schaffst es, mein Großer! Nicht schlapp machen!“ feuerte Murdock seinen Freund an.
Es gab ein furchtbares Geräusch von knirschendem Metall, als es aus den Halterungen riss. B. A. konnte die Kette der Handschellen nicht zerbrechen, aber er hatte es geschafft, die Halterung aus der Wand des Busses zu reißen. Das gab ihm genügend Bewegungsfreiheit, um soweit in den Gang zu robben, um den achtlos weggeworfenen Schlüssel zu erreichen. Er befreite sich und dann die anderen von den Handschellen.
„Seht nach den Wachen!“ sagte Hannibal.
Es war nicht einfach, sich in dem umgestürzten Bus von hinten nach vorn zu bewegen. Aber es gelang Murdock doch. Einige Augenblicke später kam der Pilot zurück. „Die werden wieder, Colonel! Sie werden mit ein paar Kopfschmerzen aufwachen. Seht mal, was ich mitgebracht habe …“
Murdock zog hinter sich einige der Pumguns her. Unter seiner Jacke hatte H. M. noch drei Polizeirevolver versteckt. „Ach ja, und hier ist noch was Nützliches.“ Murdock zog einen Dienstausweis aus der Tasche.
„Toll, Murdock!“ grinste Hannibal. Danach kletterten sie aus dem Bus.
Die eingeklemmten Beamten in dem ersten Polizeiwagen stöhnten, konnten sich aber nicht befreien.
Von den anderen Beamten fehlte jede Spur.
„Zum Glück tragen wir normale Sachen“, stellte der Blonde fest. „Das macht vieles einfacher.“
„Wir brauchen einen fahrbaren Untersatz, um die Kerle zu schnappen!“ sagte Hannibal.
„Aber wo sollen wir suchen?“ fragte B. A. hilflos.
„Dieser Dreckskerl Buster erwähnte den Namen Kargas. Im Gefängnis hörte ich zufällig, dass ein Melvin Kargas zur selben Zeit wie wir im Bundesgericht verhört werden soll“, erklärte Smith.
„Na klar“, jammerte Face, „wir gehen freiwillig ins Gericht, wo Decker bereits auf uns wartet.“
„Das nenn ich wirklich ironisch“, bemerkte Murdock trocken. B. A. knurrte finster.
„Kommt jetzt!“ befahl Hannibal. „Wenn wir noch lange hier stehen bleiben, können wir uns auch gleich die Handschellen wieder anlegen.“ Dann beugte sich Smith zu dem umgestürzten Polizeiwrack. „Nichts für ungut, Jungs. Wir schicken euch von unterwegs Hilfe.“
Danach machte sich das A-Team zu Fuß auf den Weg, die erbeuteten Waffen in der Hand.
Nach ca. 20 Minuten Fußmarsch jammerte Face: „So kommen wir nie ans Ziel! Vielleicht ist eh alles zu spät!“
„Kargas soll erst gegen 16.00 Uhr eintreffen. Aber in dem Tempo schaffen wir es freilich nicht.“
Im selben Moment kam den Männern von vorn ein Chevy entgegen. Geistesgegenwärtig stellten sie sich auf die Straße und versperrten den abrupt bremsenden Wagen den Weg. Noch bevor der Fahrer wenden konnte, war Hannibal bereits an der Fahrertür und öffnete sie. Gleichzeitig hielt er dem ängstlichen Fahrer den erbeuteten Dienstausweis hin, klappte ihn auf und schnell wieder zusammen.
„Bundesmarshals auf der Jagd nach flüchtigen Verbrechern. Wir beschlagnahmen Ihren Wagen!“
Einige Augenblicke später trat B. A. das Gaspedal durch, die Reifen qualmten und der Chevy setzte sich in die Richtung in Bewegung, aus der er kürzlich kam.
„Wenn Sie ungefähr zwanzig Minuten in der Richtung weitergehen, treffen Sie auf unsere Kollegen. Ihnen geht's gerade nicht so gut. Bitte helfen Sie ihnen“, rief Murdock dem Mann noch zu, der bloß verwirrt die Hand hob.Decker war gerade auf dem Weg zum Gericht, als er über Funk die Meldung des überfallenen Gefangentransporters vernahm. Es war zwar schon bald klar, dass der Ausbruch von Busters Männern durchgeführt wurde, aber die Gedanken des Militärpolizisten drehten sich nur um das A-Team, die die Chance offenbar ergriffen hatten und wieder untertauchten.
„Jetzt sind Sie zu weit gegangen, Smith“, fluchte der Colonel, dem wieder einmal das A-Team entwischt war. „Diesmal gibt es kein Pardon!“
Decker griff nach dem Funkgerät. „Hier spricht Colonel Decker, stellen Sie sofort einen Haftbefehl aus für John Smith, Tempelton Peck, H. M. Murdock und Bosco Albert Baracus. Die Männer sind bewaffnet und äußerst gefährlich. Ihnen wird die Befugnis erteilt, dass Feuer zu eröffnen! Decker Ende!“
„Sollen wir unter diesen Umständen trotzdem das Gericht aufsuchen?“ fragte der Fahrer.
„Ja, Captain!“ entgegnete Decker, „ich will noch einige Punkte mit dem Richter klären. Diesmal hilft dem A-Team auch kein Gnadengesuch mehr.“
„Das hätte ich nicht erwartet“, verneinte die Pflichtverteidigerin des A-Teams, als sie zusammen mit dem Staatsanwalt, dem Richter und Colonel Decker im Büro des Richters saßen.
„Hat denn keiner Andeutungen gemacht, wo sie eventuell hin wollten, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe?“ forschte der Colonel weiter.
Die Frau schüttelte den Kopf.
„Colonel Decker“, sagte der Richter mahnend, „es ist wirklich nicht die Schuld von Miss Shaw. Ich gehe davon aus, dass der Ausbruch seitens des so genannten A-Teams auch nicht geplant war.“
„Bei allem Respekt“, entgegnete der Staatsanwalt, „sie hätten nicht fliehen dürfen. Damit haben sie ein weiteres Verbrechen verübt, was geahndet werden muss.“
„Nun gut, dem kann ich nicht widersprechen“, erklärte der Richter, „legen wir also die nächsten Schritte fest.“Der Chevy preschte mit quietschenden Reifen um die Kurven. B. A. steuerte den Wagen über dem Limit. Bei einer kleinen Bodenwelle hob das Auto ab und segelte einige Meter durch die Luft, bis es sicher auf dem Asphalt landete.
„Klasse, B. A.“ lachte Hannibal während Face und Murdock ängstlich auf der Rückbank kauerten. Sie störte nicht so sehr der Fahrstil des Irokesen, vielmehr die Gefahr, der Chevy, der für solche Fahrten nicht konstruiert wurde, könnte ihnen um die Ohren fliegen.
„Langsamer, B. A., wir kommen zur Stadtgrenze!“ mahnte Hannibal.
Baracus nickte verstehend. Er trat abrupt vom Gas auf die Bremse. Die hinteren Räder blockierten und der Chevy rutschte kreischend mehrere Meter über die Landstraße. Hinter ihnen zeichnete sich eine deutliche Bremsspur ab.
„Ein wenig mehr Gefühl“, könnte nicht schaden“, stöhnte Face, der in die Rückbank gedrückt wurde.
„Mann, Großer, dass ist nicht unser Van, den du hier so missbrauchst“, stimmte Murdock ein.
„Unser Van?“ polterte B. A. ungehalten. „Das ist mein Van!“
„Wir müssten bald in der Nähe des Gerichtes sein. Es ist jetzt 15.00 Uhr!“ lenkte Hannibal das Gespräch wieder in die richtige Richtung.
„Wie ist der Plan?“ fragte der Irokese.
„Ganz einfach“, entgegnete Hannibal. „Die miesen Kerle schnappen und die Leute im Gericht retten!“
„Sogar Decker“, fügte Face sarkastisch hinzu.
„Halt an, B. A.“, sagte Hannibal plötzlich. Daraufhin fuhr Baracus an den Straßenrand und stoppte vor einem Alkohol und Tabakladen. „Was willst du hier?“
Smith lächelte vielsagend. Dann kramte er in seiner Tasche und zerrte erneut den gestohlenen Dienstausweis heraus. Danach begab sich der Colonel in den Laden. Einige Minuten später kam er wieder heraus. Im Mund brannte eine Zigarre und in der Hand hielt er eine Papiertüte.
„Mann, Hannibal, wie kannst du jetzt nur an einen Drink denken?“ fragte B. A. fassungslos.
„Nein, nein!“ reagierte Murdock gelassen, „das gehört bestimmt zum Plan des Colonels. Nicht wahr?“
Smith war nicht wieder in den Wagen gestiegen, sondern unterhielt sich durch das Fenster mit seinen Freunden.
„Ihr werdet jetzt unauffällig zum Gerichtsparkplatz fahren und dort die Typen ausschalten. Ich warne die Leute im Gericht!“
Hannibal wartete keine Antwort ab, sondern setzte sich zu Fuß in Bewegung.
„Ja, einfach mal die Typen ausschalten!“ murmelte Face verächtlich. „Ist ja auch so einfach!“
B. A. hatte sich wieder in den Verkehr eingereiht. Nach zwei Kreuzungen war er bereits am Ziel. Auf einem der hinteren Parklücken hielt der Irokese.
Die drei A-Team Mitglieder sahen sich in allen Richtungen um.
„Wir müssen verrückt sein. Was machen wir hier bloß?“ stellte B. A. fest. „Seht ihr, da steht ein Wagen der MP!“ fuhr Baracus fort. „Mensch, wo ist Hannibal?“
In diesem Moment explodierte der gerade beschriebene Wagen.
„Wo wird Hannibal wohl sein?“ entgegnete Murdock, als das brennende Wrack noch mehrmals unter kleineren Explosionen erzitterte.
„Ich denke, wir sollten jetzt zuschlagen“, erklärte Face.Hannibal war ungesehen bis zum Gerichtsgebäude gekommen. Niemand achtete auf ihn. Er sah ja auch völlig normal gekleidet aus. Er trug einen Anzug mit Krawatte. Obwohl er sie nicht sehen konnte, wusste Smith, dass seine Freunde in der Nähe waren.
Neben dem Gerichtsgebäude befand sich eine lange enge Gasse. Hannibal zog sich darin zurück, um seinen Plan vorzubereiten. Aus einer Mülltonne holte er einen alten Stofffetzen. Den drängte er ausgiebig in dem hochprozentigen Alkohol, den er in der Papiertüte verbarg.
Selbst Smith hüstelte etwas, als er den penetranten Geruch des Alkohols wahrnahm. Als der Stofffetzen vor Nässe triefte, ließ Smith die Flasche mit dem restlichen Inhalt in der Mülltonne verschwinden. Ständig beobachtete er die Umgebung, ob vielleicht jemand auf sein Tun aufmerksam würde. Aber keiner registrierte den A-Team-Chef auch nur ansatzweise.
In einem günstigen Moment huschte Smith aus der Gasse zum hinteren Teil des geparkten MP-Fahrzeugs. Hannibal bückte sich und tat, als würde er sich die Schuhe zu binden. Keiner bemerkte ihn. Blitzschnell öffnete er den Tankdeckel, steckte das Tuch mit Alkohol durchnässt hinein, so dass nur ein kleiner Zipfel herausragte. Danach griff er nach dem Feuerzeug und steckte den Stofffetzen an. Er brannte sofort. Die Flammen waren kaum zu sehen, sie krochen sofort in den Benzintank. Mit schnellen Schritten steuerte Hannibal auf die Treppe zu, die zum Haupteingang ins Gericht führte. Er stürmte hinauf und gerade als er durch die Tür gehen wollte, wurde der MP-Wagen durch eine Explosion erfasst und in die Luft geschleudert. Dann kam er als brennendes Wrack auf die Straße zurück.
Die Explosion war nicht weiter gefährlich. Im Grunde entzündete sich nur das Benzin und der Wagen wurde durch die Druckwelle hochgerissen. Es flogen keine Trümmerteile umher, so dass keiner verletzt wurde.
Im Korridor des Gerichtgebäudes kamen Smith sofort panisch reagierende Menschen und Beamte des Wachpersonals entgegen.
Hannibal zeigte ihnen flüchtig den geklauten Ausweis und rief: „FBI, sofort das Gebäude räumen! Es gibt eine Bombendrohung! Dies war nur eine Warnung! Los schnell raus!“
Auch die Vertreter des Sicherheitsdienstes waren durch die Worte in helle Aufregung versetzt. Niemand achtete auf den Ausweis oder prüfte ihn auf seine Richtigkeit.
Hannibal rannte in den ersten Stock. Immer mehr Leute kamen ihm entgegen. Er schob sich an der panischen Menschenmenge vorbei.
Unterwegs stoppte er einen Gerichtsdiener. „Wo ist das Büro von Richter Wilkes?“ fragte Smith.
„Zweiter Stock, dritte Tür rechts!“ keuchte der Gefragte und steuerte dem rettenden Ausgang entgegen. Wenige Augenblicke später befand sich Smith im 2. Stock. Er zog den erbeuteten Polizeirevolver unter dem Jackett hervor.Wilkes, Miss Shaw, der Staatsanwalt und Decker wurden von der Explosion überrascht. Während Decker reflexartig aufsprang, zuckte die Pflichtverteidigerin zusammen und fing zu Schluchzen an. Wilkes fasste sich plötzlich ans Herz und brach in seinem Sessel zusammen.
„Eine Herzattacke“, stellte Decker nüchtern fest.
„Wir müssen ihn herausbringen!“ rief der Staatsanwalt.
„Das könnte seinen Tod bedeuten“, entgegnete Decker. „Zuerst muss sein Zustand stabiler werden.“
„Meine, meine Pillen“, keuchte Wilkes schwach, aber bei Bewusstsein und deutete auf die oberste Schublade.
Decker lief um den Schreibtisch und holte eine kleine Plastikdose aus der Schublade. Dann kippte er ein paar Pillen auf seine Handfläche.
„Zwei Stück reichen“, sagte der Richter schwer atmend.
Unterdessen hatte Miss Shaw ein Glas Wasser aus dem angrenzenden Aufenthaltsraum geholt und reichte es Wilkes.
Der Militärpolizist schob dem Kranken die Pillen in den Mund und flösste ihm dann etwas Wasser ein. Der Richter schluckte kurz. Innerhalb weniger Sekunden entspannte sich Wilkes zusehends.
„Ich werd mich mal umsehen“, erklärte Decker und wollte auf die dunkelbraune Bürotür zusteuern, als diese aufflog und ein weißhaariger Mann mit qualmender Zigarre auf der Türschwelle erschien.
Reflexartig griff Roderick nach seinem Gürtelhalfter, um seine Waffe zu ziehen, aber Hannibal schwenkte leicht mit seiner Waffe und schüttelte den Kopf.
„Smith!“ zischte Decker wütend und auch frustriert. „Jetzt haben Sie den Bogen vollkommen überspannt.“
„Mister Smith, was machen Sie denn hier? Unter diesen Umständen kann ich Sie nicht länger verteidigen“, warf Miss Shaw ein.
„Für solche Spiele fehlt uns die Zeit“, erklärte Hannibal kühl mit ernster Miene. „Wir müssen sofort hier raus. Im Gebäude ist eine Bombe versteckt. Und Sie Decker schnallen erstmal den Gürtelhalfter ab!“
„Wer soll Ihnen denn das Märchen glauben, Smith“, reagierte der Militärpolizist trotzend. „Ich garantiere Ihnen, dass Sie für die Explosion verantwortlich sind!“
„Für diese ja“, bestätigte Hannibal. „Und jetzt weg mit der Waffe! Wie Sie schon sagten, ich habe nichts zu verlieren!“ Seine Stimme nahm etwas Bedrohliches an. „Ihr Dienstwagen hat uns in der Beziehung freundlich unterstützt. Wir mussten etwas Aufmerksamkeit erregen und die Kerle aus der Reserve locken.“ Erklärte Hannibal den Grund der Explosion.
„Ich hätte nie gedacht, dass Sie Geiseln nehmen, John Hannibal Smith“, knirschte Decker gepresst. „Wie verzweifelt müssen Sie doch sein!“
„Sie liegen mal wieder völlig falsch, Decker!“ entgegnete Hannibal. „Der Mitgefangene unseres netten Transportes Buster, auf dessen Konto der Ausbruch geht, hat im Gerichtsgebäude eine Bombe verstecken lassen, die er selbst zünden will, sobald ein gewisser Kargas das Gebäude betritt!“
„Hübsche Story!“ nickte der Militärpolizist ungläubig.
„Moment mal“, warf Wilkes ein, dem es wieder besser ging. „Das ist richtig, wir erwarten in etwa einer halben Stunde einen Zeugen namens Kargas, der als Kronzeuge gegen Buster aussagen soll. Und unsere Behörde hat durchaus ernste Hinweise erhalten, dass etwas Ähnliches geplant war.“
„Vielleicht sollten wir Mister Smith vertrauen und seine Anweisungen befolgen“, schlug die Anwältin unsicher vor.
„Ich bin dafür“, nickte der Staatsanwalt, der sich ziemlich ruhig verhalten hatte.
„Decker, Sie und der Staatsanwalt stützen den Richter! Ich schlage vor, Sie verlassen das Gebäude über den Hinterausgang.“
„Und Sie?“ fragte Wilkes.
„Ich werde versuchen, die Bombe zu finden, während sich meine Freunde um die Flüchtigen kümmern.
„Smith, selbst wenn Sie Recht haben … Das ändert gar nichts!“ machte der Militärpolizist klar. Doch Hannibal reagierte gar nicht.
Im letzten Moment hielt Smith den Richter mit einer Frage auf: „Wo sollte Kargas verhört werden?“
„Verhörzimmer 3, dritte Etage und dann im Gerichtssaal 5 gleicher Stock.“
„Danke, Euer Ehren!“ nickte Smith.Zuerst wunderten sich Face, B. A. und Murdock über die Explosion.
„Hannibal kann es nicht lassen. Er braucht immer das gewisse Etwas“, nörgelte Baracus sorgenvoll. Mit solchen Aktionen machte Hannibal immer auf sich aufmerksam, gerade wenn es nach der Meinung der anderen Team-Mitgliedern das Beste wäre, unauffällig zu sein.
„Oder aber, Hannibal heißt Hannibal, weil er die Situation voll durchblickt“, warf Murdock hastig ein und deute über die Dächer einiger geparkter Wagen hinweg.
Als seine beiden Freunde in die Richtung blickten, sahen sie als erstes heranrasende Polizeiwagen und als zweites einen Pickup, der mit übertourtem Motor vorwärts aus einer Parklücke stieß und schleunigst den Parkplatz verlassen wollte.
Die A-Team-Mitglieder holten aus dem Chevy ihre erbeuteten Waffen und drängten sich zwischen den geparkten Wagen hindurch. Als sie sich in Schussweite befanden, legten Face und Murdock ihre Pumpguns an und schossen auf den fliehenden Wagen.
Die großkalibrigen Geschosse zerfetzten die Karosserie, brachten den Pickup jedoch nicht zum stehen. Gleichzeitig eröffneten zwei der Schurken, die auf der Ladefläche hockten, das Gegenfeuer. Unwillkürlich duckten sich die drei Freunde. Über ihnen zischten Kugeln ins leere. Andere trafen die parkenden Fahrzeuge. Die Scheiben splitterten und kleine Karosseriesteilchen wirbelten durch die Luft.
Murdock spähte über den Rand eines Wagens. Er registrierte den Pickup, der bald nicht mehr zu stoppen war. Dann bemerkte der Pilot ein großes Reklameschild an einer Hauswand. Er visierte die bereits marode aussehende Halterung an, drückte ab, lud durch und feuerte erneut.
Funkensprühend stürzte das erleuchtete Schild herab und traf genau die Motorhaube des Pickup. Durch die Wucht bohrten sich das Schild und die Motorhaube in den Motorblock und zerstörten ihn. Der Wagen hielt abrupt an. Im selben Moment sprangen Face, B. A. und Murdock aus ihrem Versteck, rannten über die Wagen, die sie von den Gangstern trennten und drückten sich vom letzten Wagen mit voller Kraft ab.
Gerade als die Gangster aus dem Wagen stiegen oder von der Ladefläche sprangen, landeten die Mitglieder des A-Teams auf ihnen und rissen sie zu Boden. Face hatte seinen Gegner unter sich begraben. Er gab ihm einen kräftigen Fausthieb ins Gesicht, was den anderen ausknockte.
Murdock wurde von seinem Gegner weggeschleudert und kam auf dem Asphalt auf. Der Verbrecher und Murdock kamen etwa zur selben Zeit auf die Beine, doch der Pilot drehte sich mit einem missglückten Kung Fu Ruf herum und kickte dem anderen den Fuß in den Magen. Dadurch kam dieser aus der Puste und war wehrlos. Der Pilot holte entschlossen aus und verpasste seinem Gegner einen Kinnhaken. Der Getroffene wirbelte herum und krachte gegen die Ladefläche des Pickups. Dann ging er besinnungslos zu Boden.
B. A. war Buster in die Arme gesprungen. Dieser torkelte etwas zurück, blieb aber stehen. Baracus schlug dem Ausbrecher ins Gesicht. Dessen Kopf drehte sich etwas, aber der bullige Typ kam nicht mal ins Wanken. Er drehte sich breit Grinsend wieder B. A. zu, der verwirrt da stand. Jetzt gab Buster dem Irokesen einen ordentlichen Schwinger. Der große Schwarze wankte etwas zurück und schüttelte den Kopf um eine aufkommende Benommenheit abzuschütteln. Mit zusammengebissenen Zähnen setzte er erneut zum Schlag an, der aber ebenfalls fast keine Wirkung zeigte. Als der andere wieder in B. A.s Gesicht traf, knickte des linkes Knie ein und der Irokese landete auf den Knien. Triumphierend wollte Buster zum finalen Schlag ausholen, als sich seine Gesichtszüge entspannten und er bewusstlos neben Baracus auf der Straße landete.
Hinter dem Geflohenen stand Face mit einem Feuerlöscher in der Hand, dem er Buster kraftvoll über den Schädel gezogen hatte.
„So macht man das“, grinste der gut aussehende Blonde und fing sich ein mürrisches Knurren seines schwarzen Freundes ein.
„Seht mal hier“, rief Murdock und hielt einen kleinen Kasten mit einigen Schaltern in der Hand. „Wenn das mal nicht der Fernauslöser ist …“
Erleichtert seufzte Face. „Wir kamen noch rechtzeitig!“
„Aber was macht Hannibal?“ fragte B. A. der wieder auf die Beine kam.Smith hatte den besagten Verhörraum durchsucht und auch mit dem Gerichtssaal war er fast durch. Prüfend sah sich Hannibal im Saal um, bis er einen ziemlich einsamen Abfallbehälter sah, der ihm verdächtig vorkam. Langsam näherte sich der A-Team-Chef dem Behälter. Er war hochkonzentriert. Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Der Müllbehälter stand in der Nähe des Zeugenstandes, also genau in der richtigen Position. Smith nahm vorsichtig den oberen Teil des Abfalleimers ab und blickte auf die roten Anzeigen einer rückwärts laufenden Digitaluhr. Noch 15 Minuten.
Hannibal zögerte nicht lange. Er nahm den gesamten Behälter und trug ihn auf den Flur, dann lief er damit zurück in das Büro des Richters.
Ihm war beim ersten Besuch aufgefallen, dass eines der Fenster zu der kleinen Gasse ging, in der sich Hannibal auf die Explosion des MP-Wagens vorbereitet hatte. Nachdem er die Lage geprüft hatte und sich sicher war, warf er den Behälter mit der Bombe aus dem Fenster. Gegenüber der kleinen Gasse war ein freier Platz. Das nächste Gebäude stand einige Meter weit weg.
Smith zielte mit dem Revolver auf die tickende Bombe und schoss schnell hintereinander.
Es war ein ohrenbetäubender Knall, als die Bombe detonierte. Reflexartig drehte sich Hannibal weg, aber durch die Druckwelle wurde er doch zu Boden gerissen.
Stinkender Rauch züngelte empor. Smith erhob sich, sah aus dem Fenster und grinste breit, als er sah, dass die Gefahr vorüber war.
Erleichtert schob er sich eine Zigarre in den Mund und murmelte: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“Einige Stunden später …
Die Polizei hatte die Verantwortlichen festgenommen. Man fand sie gefesselt und geknebelt bei einem zerstörten Pickup vor.
Die Nachrichten aus dem Krankenhaus waren auch positiv. Wilkes würde wieder gesund werden. Alles schien gut ausgegangen zu sein.
Nur Decker stand finster vor der Treppe des Gerichtsgebäudes. Wieder war ihm das A-Team entwischt. Aber diesmal würde er sie gnadenlos jagen.
„Es ist vielleicht wirklich besser so“, murmelte Miss Shaw, die neben ihm stand und seine Gedanken erriet.
Der Militärpolizist schwieg und wollte gerade seiner Wege gehen, als er hinter sich eine vertraute Stimme hörte. „Hey, Decker, geben Sie schon auf?“
Roderick wirbelte verwundert herum und traute seinen Augen kaum. Nur ein paar Meter von ihm entfernt, standen die vier Mitglieder des A-Team, ihre Hände nach vorn ausgestreckt. Während Smith genüsslich grinste, blickte
B. A. finster und mürrisch drein. Face und Murdock warteten einfach nur ab.
Decker ergriff sofort die Chance. Er zog seine Waffe, zielte auf die Vier und rief schnell ein paar Polizisten herbei. „Jetzt hab ich Sie, Smith“, sagte Decker erleichtert.
„Irrtum“, entgegnete Smith ruhig, „wir haben uns gestellt, ein kleiner aber feiner Unterschied!“
„Und glauben Sie uns, Decker, wir haben versucht, es ihm auszureden“, warf Tempelton trocken ein.
Dennoch setzte der Militärpolizist das A-Team fest.Der Prozess begann einige Tage später. Keiner ahnte, dass Richter Wilkes weiterhin den Vorsitz übernahm. Die Staatsanwaltschaft legte erdrückende Beweise vor, die die Anklagepunkte mehr als nur verhärteten. Die Verteidigung argumentierte mit den Folgen der Flucht und der Notwendigkeit durch gelegentliches Übertreten von Gesetzen unschuldigen Menschen geholfen zu haben.
Die Plädoyers waren sehr emotional und brachten die dreitägige Verhandlung noch einmal auf den Punkt.
Dann kam das Urteil. Die Geschworenen brauchten keine Stunde Beratung.
Der Richter bekam den Zettel mit dem Schuldspruch.
„Angeklagte, bitte erheben Sie sich!“
Wortlos folgte das A-Team der Aufforderung.
„Wie haben die Geschworenen befunden?“ wandte sich Wilkes der Jury zu.
Eine ältere Frau erhob sich und sagte mit kräftiger Stimme: „Wir, die Geschworenen, befinden die Angeklagten in allen Punkten für schuldig!“
Während das A-Team den Spruch reglos vernahm, grinste Decker triumphierend. Ein Raunen ging durch den Saal.
Der Richter klopfte mit seinem Hammer energisch auf das entsprechende Pult. „Ruhe! Ruhe!“ rief er. Als das Raunen verstummte, fuhr Wilkes fort. „Wie ich sehe, schlagen die Geschworenen ein Strafmaß für die Angeklagten vor. Ist das richtig?“
„Ja!“ bestätigte die Jurysprecherin.
„Ist das ein einstimmiges Votum?“
„Ja!“
Wilkes musterte über seine Kanzel hinweg die vier Angeklagten eine Weile. Dann ließ er sich in seinen Sessel fallen. „Im Normalfall würde ich nicht so verfahren, aber aufgrund besonderer Umstände und weil wir auch den Angeklagten zu Dank verpflichtet sind, stimme ich der Empfehlung der Geschworenen zu. Hiermit verurteile ich, John Smith, Tempelton Peck, Howling Mad Murdock und Bosco Albert Baracus zu je 5 Wochen Gefängnis. Die Zeit der Untersuchungshaft wird angerechnet. Damit ist die Strafe bereits abgegolten. Die Angeklagten sind sofort frei zu lassen. Die Verhandlung ist geschlossen!“ Der Richter klopfte noch mal mit dem Hammer, dann erhob er sich.
Deckers triumphales Grinsen gefror. Dann wich es einer wütenden Grimasse, als er gegen den Richter aufbegehrte. „Euer Ehren, ich protestiere. Das können Sie nicht tun.“
Im Gehen stoppte Wilkes plötzlich und drehte sich herum.
„Mein Gerichtssaal ist nicht der Ort um persönliche Rache zu nehmen. Sie haben Ihr Urteil. Das A-Team wurde für schuldig gefunden. Außerdem sollten Sie froh sein, noch zu leben. Ohne John Smith und seine Männer wären wir womöglich tot! Ende der Diskussion!“
Langsam sackte der Militärpolizist auf dem Stuhl zusammen, als Smith neben ihm stand.
„Gratuliere, Decker! Sie haben es geschafft. Sie haben das A-Team gefasst, angeklagt und eine Verurteilung erreicht. Ehrlich, das hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“
Decker schäumte vor Wut und er ertappte sich, wie seine rechte Hand an seinem Revolverhalfter nestelte.
„Verschwinden Sie einfach, Smith Ich hoffe, dass wir uns nie wieder sehen!“
Das A-Team lief durch den Gang in Richtung Fahrstuhl.
„Das war wohl dein bescheuertster und riskantester Plan, den du je hattest“, erregte sich B. A. leicht!
„Der Große hat Recht. Das wäre fast schief gegangen!“ fügte Murdock hinzu.
Doch Hannibal spazierte nur grinsend auf die große Freitreppe zu. Zum ersten Mal seit langer Zeit war das A-Team richtig frei.
Als sie draußen ankamen, erwartete sie eine Horde von Presseleuten.
„Die Presse“, stellte Face begeistert fest. „Ich mach das schon.“
Dann stürmte er auf die wartenden Journalisten zu. „Meine Damen und Herren, bitte der Reihe nach. Wir werden zu gegebener Zeit ein Statement abgeben. Jetzt bitte nur ein paar kurze Fragen ….“ENDE
© 08.03.03